»EUTHANASIE«-VERBRECHEN · ERNA KRONSHAGE
I N F O T H E K · D O K U M E N T A T I O N · R E P O R T · R E F L E X I O N · G E D E N K E N · O N L I N E - P R O J E K T E
MOIN & SHALOM
INTRO
Diese Website skizziert zunächst das kurze Leben und die plötzlich einsetzende 484 Tage andauernde systematische Vernichtung meiner Tante Erna Kronshage (geboren 1922), die ab dem 24.10.1942 – Schlag-auf-Schlag – in eine Heilanstalt eingeliefert wird, dort ad-hoc mit »Schizophrenie« diagnostiziert, deshalb schocktherapiert und zwangssterilisiert – im weiteren Verlauf dann interniert, aussortiert und abgeschoben wird – um schlussendlich am 19./20. Februar 1944 im Zuge der Euthanasie-Aktionen in einer unter der deutschen Besatzung umfunktionierten Tötungsanstalt im kriegsbesetzten Polen mit 21 Jahren heimtückisch ermordet zu werden.
Darüberhinaus werden auf dieser Website in verschiedenen Themenabschnitten und verlinkten Online-Projekten die Ideologien und Praktiken zu diesen mehreren hunderttausendfachen deutschen Eugenik-Verbrechen insgesamt in den Blick genommen – und die gesellschaftlichen Wahrnehmungen, das Beschweigen und die Verdrängungen, Irrtümer, Bewertungen sowie die mittlerweile vielgestaltigen Aufarbeitungs- und Erinnerungsversuche dazu.
Damit sich Abläufe und Geschehnisse vor mehr als 80 Jahren auch nur in etwa heutzutage vergegenwärtigen und wahrnehmen lassen, werden neben Original-Fotos und überlieferten Doku-Materialien auch weitere »bildgebende Verfahren« und digitale Online-Darstellungen mit einbezogen –
• das Vergangene virtuell in Szene gesetzt, um ihm im Hier & Jetzt nachzuspüren . . .
• je gestern • desto heute • umso morgen
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An einem einzigen Durchführungs-Verfahren
zu diesen staatlich verordneten Eugenik-Verbre-chen sind jeweils mindestens zehn bis fünfzehn Personen arbeitsteilig eingebunden, beteiligt oder mit betroffen: z.B. Ärzte, Richter, Amtsinhaber vor Ort, Ortsfürsorgerinnen, Staatsanwälte, Polizisten – Beamte, Bedienstete und Sachbearbeiter in einer Vielzahl von zuständigen Ämtern und Verwaltungen der beteiligten Institutionen – Krankenpflege- und Medizinalpersonal, Fahrdienstleiter, Zugführer, Busfahrer – aber ebenso natürlich auch ängstlich-schamhaft wegschauende, schweigende, gleichgültige oder abgelenkte und überforderte geplagte Angehörige, Nachbarn und sonstige Bezugspersonen – Mitmenschen also wie du und ich.
Und das rechnet sich hoch zu mehr als drei bis vier Mio. Mitwissende aus den Reihen der damaligen »Reichs-bürger« quer durch die Mitte der Gesellschaft – bei über acht Mio. feiwillig eingetretenen NSDAP-Parteimit-gliedern – von knapp achtzig Mio. damaligen Einwohnern insgesamt. Und wie viele beteuerten und versichern immer noch, von »nichts gewusst« und »nichts mitbekommen« zu haben.
ZITATE
»Sofern es überhaupt ein ›Bewältigen‹ der Vergangenheit gibt, besteht es in dem Nacherzählen dessen, was sich ereignet hat; aber auch dies Nacherzählen, das Geschichte formt, löst keine Probleme und beschwichtigt kein Leiden, es bewältigt nichts endgültig. Vielmehr regt es, solange der Sinn des Geschehens lebendig bleibt ... zu immer wiederholendem Erzählen an.« H A N N A H A R E N D T
»Erinnerungskultur ist schon als Begriff eine Nebelkerze, die uns entlasten soll. Wenn man ihn verwendet, muss man ihn sauber verwenden. Er ist definiert mit dem kommunikativen Gedächtnis – und vor allem auch: mit Inhalten, die erinnert werden. Aber die Nazigeneration hat kaum etwas erzählt, die Kinder haben kaum etwas gehört, den Enkelkindern wird auch nichts erzählt. Wenn es also eine deutsche Erinnerungskultur gäbe, dann ist sie ein schwarzes Loch. ... Und ich behaupte auch, ... dass diese mangelnde Empathie damit zu tun hat, dass das Kellergeschoss der Familiengeschichten nie gebaut wurde. Man hat das Gefühl: Dieses deutsche Haus, von dem wir reden, es steht auf schwankendem Boden.« M I C H E L F R I E D M A N
»Die Vergangenheit ist vorbei, und doch tragen wir im Jetzt unseres Seins vieles aus der Vergangenheit mit uns, doch nur soweit wir unerledigte Situationen haben. Was in der Vergangenheit geschah, wurde entweder assimiliert und zu einem Teil von uns, oder wir tragen es als unerledigte Situation, als unvollendete Gestalt mit uns herum.« F R I T Z P E R L S
»Das Vergangene ist nie tot, es ist nicht einmal vergangen.« W I L L I A M F A U L K N E R
»Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst.« H A R A L D W E L Z E R N A C H J E A N B A U D R I L L A R D
EDWARD WIEAND WEBSITE
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