SENNESTADT - diese Stadt ist am 27.04.1965 begründet worden - somit genau 6495 Tage jünger als ich - Sennestadt wurde aber schon im zarten Alter von noch nicht einmal 8 Jahren gegen seinen erklärten Willen mit Hilfe von NRW-politischer Sterbehilfe (nannte sich damals "Gebietsreform") schließlich meuchlings umgebracht und zum 01. Januar 1973 der Gruft Bielefeld beigelegt - und von da an ging's bergab ...

Wald, so weit das Auge reicht: Sennestadt ist eingerahmt von Grün. An dem gleichwohl auch hier viel "geknabbert" wird durch Wohnungsbau (etwa Schilling) und Industrie (Fuggerstraße). Gut zu sehen ist das Bullerbachtal (Mitte) und westlich davon die fast p

 

 

 

Stadtteilcheck Sennestadt

 

Drei Ortsteile bringen teils stark abweichende Ergebnisse. Doch: Kritik an fehlenden Kulturangeboten und mangelnder Sauberkeit sowie Freude über die umgebende Natur einen den Stadtbezirk

 

Von Silke Kröger

 

Ganz weit weg - das ist ein Gefühl, das bei vielen Sennestädtern dominiert, wenn sie an die Stadt Bielefeld denken, zu der sie seit der Eingemeindung 1973 gehören. In der Tat ist der südöstlichste Stadtbezirk nicht nur eine gefühlte Ewigkeit - über zehn Kilometer - vom Stadtzentrum entfernt, er hat sich auch sehr eigenständig entwickelt. Und tut das bis heute.

 

VERSCHIEDENE ORTSTEILE

 

Die einstige Modellstadt wurde vom Stadtplaner Hans Bernhard Reichow entworfen - inklusive der Ausrichtung der Wohnzimmer (Nachmittagssonne!), eines ausgeklügelten Straßen- und parallelen Fuß- und Radwegenetzes, des Sennestadthauses als "Stadtkrone" und des Bullerbachtals als "grüner Lunge". Weltweit hat Reichow damit für Furore gesorgt. Heute wird über das aktuelle Konzept "Sennestadt für das 21. Jahrhundert" mit Projekten wie Stadtumbau, Klimaquartier und energetischer Stadtsanierung erneut deutschlandweit und international diskutiert. 

 

BEWOHNERSTRUKTUR 

 

Sehr unterschiedlich sind die Menschen, die in Sennestadt leben. Hier gibt es die meisten älteren Bürger und gleichzeitig die meisten Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren. Sennestadt hat den höchsten Anteil an Alleinerziehenden und die meisten Menschen mit Migrationshintergrund stadtweit. Gleichzeitig sind überdurchschnittlich viele Menschen arbeitslos. Die Bewohner verteilen sich auf drei - auch sehr verschiedene - Ortsteile: Sennestadt; Dalbke, das sich aus Gut Dalbeke entwickelt hat; und Eckardtsheim, ehemalige "Außenstelle" der von Bodelschwinghschen Stiftungen. Entsprechend abweichend sind oft die Ergebnisse des Stadtteilchecks.

 

VERKEHR

 

Der Straßenverkehr wird mehrheitlich als gut erträglich beurteilt - nur in Eckardtsheim bekommt er ausgesprochen schlechte Noten. Auch der Öffentliche Nahverkehr wird in Eckardtsheim mit 3,68 in der nicht wirklich positiven Bewertung stadtbezirksweit (2,68) deutlich negativer beurteilt. Zufriedener sind die Radfahrer, und das in allen drei Ortsteilen. 

 

FAMILIE

 

Mit Kitas, Schulen und auch mit deren Erreichbarkeit sind die Sennestädter mehr als zufrieden - insgesamt gibt es dafür eine glatte 2,0, in Sennestadt sogar eine 1,8. Bei den Angeboten für Familien insgesamt sieht es da schon etwas durchmischter aus: Besonders die Dalbker (Note 3,1) sind damit nicht glücklich, ebenso wenig wie mit der Unterstützung für Ältere (3,0). Im Zentrum dagegen finden die Anwohner beides einigermaßen akzeptabel. Beim Angebot für Kinder und Jugendliche herrscht stadtbezirksübergreifend Einigkeit: Hier reicht es allemal für eine (sehr, sehr knappe) 2, nur die Eckardtsheimer benoten ein wenig besser (2,7).

 

SICHERHEIT

 

Mit dem Sicherheitsempfinden ist es bei den Bürgern des Stadtbezirks nicht weit her - obwohl der Bezirk in der Einbruchstatistik der Polizei zwar immer wieder auftaucht, die Bürger dort aber (zumindest nach polizeilichen Erkenntnissen) mit Abstand am sichersten in ganz Bielefeld sind. In Sennestadt selbst liegt die Note bei 3,15 (Dalbke 2,65 und Eckardtsheim 2,85). Auch für Sauberkeit gibt's mit bezirksweit 3,18 eine schlechte Note. 

 

FREIZEIT

 

Wer Shoppen als Hobby hat, sollte schauen, wo er zum Einkaufen hinfährt: Im Zentrum sind die Bürger noch ganz zufrieden mit dem Angebot, die Eckardtsheimer dagegen bewerten mit Note 3 - und die mit einem deutlichen Minus dahinter. Ganz schlecht kommt dort der Gastronomiebereich weg: Er erreicht nur glatte 5 (Sennestadt 3,62, Dalbke immerhin 3,35). Auch bei den Sportangeboten ist besonders in Eckardtsheim offenbar noch einiges zu tun. 

 

ZUSAMMENLEBEN

 

Auch wenn in Sennestadt die verschiedensten Menschen wohnen - das Zusammenleben wird noch als befriedigend gesehen, und zwar in allen drei Ortsteilen. Das "Wir-Gefühl" dagegen ist in Sennestadt erwartungsgemäß am wenigsten (3,2) und in Eckardtsheim (2,65) am meisten ausgeprägt. 

 

NATUR

 

Mit Abstand am besten beurteilen die Sennestädter ihre "grüne" Umgebung - Parks, Wälder und Wiesen sind überall nicht weit. Sie vergeben dafür eine stolze 1,6; in Dalbke ist der Wert mit 1,7 nur wenig schlechter. Auch Eckardtsheim erzielt vorzeigbare 2,1. Die Natur ist und bleibt das Pfund, mit dem der Stadtbezirk wuchern kann. Auch aus Sicht seiner Bewohner. 


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03 - Bielefeld Süd, Freitag 16. Dezember 2016
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Der Sennestadt-Globus in der Totalen nach einem Luftbild von D. Wittig/NW
banner der werbegemeinschaft sennestadt über eine anzeigen-sonderseite in einer sonntagszeitung v. 26.06.2016
Der Sennestadt-Globus (nördlicher Teil) - nach einem Luftbild von D. Wittig/NW

Die SENNESTADT - hier wohne ich - hier lebe ich ...

Die Sennestadt - der nördliche Teil - von oben | Foto: Wittig|NW - auf das Bild clicken ....
Sennestadt - Willkommen im grünen Bereich - Infos Sennestadt: hier clicken ....

Schneefall in Sennestadt

Sennestadt im Schnee - Zum Vergleich der Schnee- und Winterwerte jeweils auf das Bild clicken ....
Aus langjährigen Statistiken lässt sich gut herauslesen, ab wann man mit dem ersten Schnee rechnen kann. In Sennestadt liegt durchschnittlich ab dem 15.12. Schnee - die Anzahl der Schneetage liegt bei ca. 4 Wochen = 24 Tage - Schneehöhe maximal 12,5 cm

 

 

 

Sennestadt wird 60

 

1955 beschließt Senne II den Bau einer neuen Stadt

 

Bewegte Geschichte: In sechs Jahrzehnten ist in Sennestadt viel passiert. Zu jeder Zeit war die Bewohnerschaft des Stadtbezirks sehr heterogen.

 

Von Silke Kröger | Neue Westfälische-Süd

 

Schon bei Gründung ihrer Stadt sind die Einwohner von Sennestadt, dem heute südwestlichsten Stadtbezirk von Bielefeld, multikulturell. Die Großgemeinde, die auf dem Gebiet von Senne II errichtet wird, soll die riesige Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg mindern und die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten aufnehmen. Vor 60 Jahren beschließt der Gemeinderat von Senne II den Bau der "Sennestadt" - damals leben dort erst 4.900 Menschen. 

Die bunt gemischte Einwohnerschaft ist zum Kennzeichen Sennestadts geworden - ebenso wie die Planung einer Stadtlandschaft aus einem Guss, für die der Berliner Architekt Hans Bernhard Reichow beauftragt wird. Der erregt mit seiner "neuen" Stadt - einmalig in der Bundesrepublik Deutschland - in den 50er und 60er Jahren in der Fachliteratur, auf nationalen und internationalen Kongressen, Fachtagungen und Bauausstellungen viel Aufsehen. 

Die kurze Geschichte von Sennestadt ist eng getaktet: 1954 wird ein städtebaulicher Wettbewerb für die neue Großsiedlung ausgeschrieben, den Reichow gewinnt. 1955 fällt der Gemeinderatsbeschluss, im gleichen Jahr beginnen die ersten Tiefbauarbeiten. 1956 wird die Sennestadt GmbH gegründet, die sich als kommunale Gesellschaft bis heute um die städtebauliche Entwicklung im Sinne Reichows kümmert. 1958 wird die erste Wohnung im Projektgebiet bezogen. 1960 hat die Großgemeinde bereits 11.643 Einwohner, Tendenz steigend. 

1965 bekommt das Siedlungsprojekt die Stadtrechte mit dem Namen Sennestadt verliehen. 1970 werden Teile der bislang zum Kreis Wiedenbrück gehörenden Gemeinde Senne eingegliedert, insbesondere Eckardtsheim. 1970 wird das Richtfest des Rathauses, des Sennestadthauses, gefeiert.

Mit der Gebietsreform 1973 endet die Selbstständigkeit dann schon wieder: Sennestadt wird Teil des Oberzentrums Bielefeld. Heute leben hier über 21.000 Menschen. Die jüngsten Zuzügler aus den vergangenen Jahrzehnten kommen aus Kasachstan, der Türkei und dem Balkan. 

Heute sieht sich der Stadtbezirk einmal mehr vor der Aufgabe, aus einer heterogenen Bewohnerschaft eine funktionierende Gemeinde zu formen - in der das Anderssein zur Regel gehört. 

 

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Bildergebnis für Sennestadt Spielplatz

 

Gut fürs Herz und den Körper

 

Sennestadt ist für sein vielseitiges Freizeitangebot bekannt

 

Ob Trimm-dich-Pfad, Minigolfanlage oder Spielplatz - langweilig wird es in Sennestadt sicherlich nicht - und das ist nicht nur gut für die Gesundheit.

 

Von Janine Gütlinger | Neue Westfälische-Süd

 

Ich klettere gerne und schaukle und turne, aber am liebsten mag ich die Rutsche", erzählt Arianna Evelyn (7 Jahre) mit strahlenden Augen. Gemeinsam mit Mama Olesja Rehan hat die kleine Bewegungsliebhaberin die kurze Tour von der Dalbke aus nur zu gerne auf sich genommen - und das nicht ohne Grund. "Sennestadt hat einfach die schönsten Spielmöglichkeiten der Gegend", sagt Olesja Rehan.

Trimmpfad, Minigolfplatz, Skatepark, Hallenbad, Bolzplätze, zahlreiche gut gepflegte Grünflächen, Spielplätze in jedem Winkel der Stadt und noch einiges mehr - was die Freizeitangebote angeht, kann sich Sennestadt wirklich sehen lassen. "Man muss nicht wegfahren, um mit der Familie einen netten Tag zu verleben", findet Daniela Bröker. Mit Ehemann Andreas und Freundin Anne-Kathrin Gerling hat sie es sich auf einer Decke in der Sonne gemütlich gemacht und schaut ihren Kindern beim Toben auf dem Spielplatz zu. Nesthäkchen Hanna Gerling bleibt mit ihren gerade mal neunzehn Monaten zwar etwas hinter den älteren Freunden zurück, ist dafür jedoch emsig damit beschäftigt, den Sandkasten umzugraben. 

"Unsere Stadt bietet viele Freizeitmöglichkeiten. Ich finde das einfach spitze", sagt Hannelore Bukvie. Die Sennestädterin ist nachmittags regelmäßig auf dem Trimmpfad anzutreffen. Die etwa 500 Meter messende Wegstrecke im Grünzug der Stadt besteht aus sieben Stationen, an denen Motivierte ihre Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit trainieren können. "Ich gehe spazieren und mache nebenbei etwas für mein Herzkreislaufsystem und die Kondition", so Bukvie stolz. 

Nur zu oft trifft man bei einer der Sennestädter Angebote auch mit Gleichgesinnten zusammen. So erging es Michael und Iris. Vor 24 Jahren begegneten sich die beiden auf dem städtischen Minigolfplatz. "Ich habe sie angesehen und wusste: Sie ist es", erinnert sich Michael Volkmer. "Ohne den Minigolfplatz hätten wir wohl nie zusammengefunden", sagt seine Ehefrau Iris Volkmer-Ruben. Das Paar besucht auch heute noch den Platz, um dem liebgewonnenen Hobby nachzugehen. Von ihren drei Kindern hat nur die älteste Tochter die Leidenschaft für das Minigolfspielen geerbt. 

 

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Bildergebnis für Sennestadt Haus neuland

 

Die Wissensvermittler

 

Lernorte im Wald: Gleich zwei Bildungsstätten nennen Sennestadt ihre Heimat

 

Zwei Orte der Bildung schmiegen sich nördlich des Senner Hellwegs an den Südhang des Teutoburger Waldes: "Das Bunte Haus" und das "Haus Neuland".

 

Von Judith Gladow | Neue-Westfälische-Süd

 

Beide blicken auf eine lange Geschichte zurück, haben ihre Wurzeln als Plätze für Jugendfreizeiten und holen Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet nach Sennestadt. Die Rede ist von der Verdi-Bildungsstätte "Das Bunte Haus" und vom Tagungshotel "Haus Neuland". 

"Die Farbe passt auch zum Begriff Neuland", sagt Öffentlichkeitsreferentin Anja Valentien über das Grün, das nicht nur im Logo, sondern überall im Haus Neuland allgegenwärtig ist. Mit bis zu 276 Betten, 22 Seminarräumen, einer großen Tagungshalle und rund 16.000 Gästen pro Jahr ist die Bildungseinrichtung eine der größten ihrer Art bundesweit. Der Name Neuland geht auf ein sozialistisches Jugendzeltlager im Jahr 1932 zurück. 

Politische Jugendbildung wird heute noch groß geschrieben, beispielsweise mit dem vom Land geförderten Projekt "Jugend, Medien, Partizipation (JuMP)", bei dem Kinder und Jugendliche seit 2012 im kritischen Umgang mit digitalen Medien geschult werden. 

Eine Besonderheit ist auch "Hermanns Küche", die mitsamt Biergarten seit vergangenem Jahr für alle geöffnet hat, - für Ausflügler, Gäste und Sennestädter gleichermaßen. "Wir verstehen uns als Teil Sennestadts", betont Ina Nottebohm, die das Haus nunmehr seit neun Jahren leitet.

Kleiner, aber dennoch mit großer Außenwirkung, gehört "Das Bunte Haus" zu einem Netz von zehn Verdi-Bildungsstätten bundesweit. "Da kommen Menschen aus der ganzen Republik", sagt Bildungsreferent Dirk Manten. 

Mehr als 4.000 Gewerkschaftsmitglieder nehmen jährlich an den rund 70 Betriebs- und Personalratsschulungen oder den mehr als 15 wirtschafts- und sozialpolitischen Seminaren teil, die im Haus angeboten werden. Dafür stehen ihnen 60 Zimmer, fünf Seminarräume, ein großer Veranstaltungsraum und sechs Gruppenräume zur Verfügung. 

Einen besonderen Stellenwert hat das Thema "Gute Arbeit", unter dem gesundheitspolitische Fragestellungen eine Rolle spielen. 

Bunt war das Haus übrigens früher tatsächlich: 1925 wurde es ursprünglich als Jugendfreizeitheim des Zentralverbands der Angestellten (ZdA) errichtet und Wände und Fassade in vielen unterschiedlichen Farben gestrichen. Heute ist der Name für Leiterin Brigitte Stelze mehr Metapher als eine Farbbezeichnung: "Wir denken bunt." 

 

© 2015 Neue Westfälische, Mittwoch 10. Juni 2015

 

Bildergebnis für sennestadt buntes hausDas Bunte Haus

 

 

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Bildergebnis für Sennestadt Gutshof Wilhelmsdorf

 

Biohof mit Naherholungswert

 

Gut Wilhelmsdorf: Wie aus Grünland auf dem kargen Senneboden reichhaltige Frischmilch wird

 

Die Kuh auf der Weide, umgeben von saftigem Grün: das Bild zur Milch. "Bei uns stimmt's", sagt Ulrich Schumacher, der gemeinsam mit Johannes Berger seit 20 Jahren das Gut Wilhelmsdorf in Eckardtsheim betreibt.

 

Von Judith Gladow | Neue Westfälische-Süd

 

Schließlich gehört auf dem Bioland-Betrieb, der seit rund 20 Jahren Bielefeld und Umgebung mit Frischmilch beliefert, täglicher Weidegang im Sommer zum Kuhleben dazu.

Der magere Sandboden war lange ein schwieriger Fall für die Bauern im Bielefelder Süden. Auf diesem Untergrund gründete 1882 Friedrich von Bodelschwingh auch Deutschlands erste Arbeiterkolonie: Wilhelmsdorf. 

Lange Zeit war sie als solche einer der Versorger für die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Als Bethel dann den Hof privatisieren wollte, bekamen Ulrich Schumacher und Johannes Berger mit ihrem Konzept der ökologischen Milchviehhaltung den Zuschlag und betreiben ihn seit 1995. 330 Hektar gehören zum Hof, davon sind etwa 100 Hektar dauerhaftes Grünland und 20 Hektar Naturschutzflächen. Rund 45 Menschen arbeiten im Betrieb, die meisten in Verarbeitung und Lieferdienst. Sieben sind es in der Landwirtschaft, inklusive der zwei Auszubildenden. 

220 Kühe grasen auf den Weiden, außerdem werden in einer komplexen Fruchtfolge auch Kartoffeln und Brotroggen sowie das eigene Tierfutter angebaut. 

Das sorgt für Abwechslung in der Landschaft, die auch bei Wanderern und Radfahrern gut ankomme, erzählt Schumacher: "Das ist hier schon so ein bisschen Naherholungsgebiet." Außerdem ist regelmäßig die Naturschule Bielefeld auf Gut Wilhelmsdorf zu Gast. Die Kinder von der Kita Wiesenhummeln, die sich auf dem Gelände befindet, können den Hof und seine Tiere ganz nah mitbekommen.

Herzstück des landwirtschaftlichen Betriebs ist aber natürlich die Milch, deren Qualität Ulrich Schumacher sehr wichtig ist. "Frischmilch ist mittlerweile etwas Besonderes", erklärt der 53-Jährige. Die meiste als "frisch" bezeichnete Milch sei keine echte Frischmilch mehr, sondern sogenannte "länger haltbare" Milch. Die wird ähnlich wie H-Milch auf 125 Grad Celsius erhitzt, nur wesentlich kürzer. Die Wilhelmsdorfer Milch wird lediglich pasteurisiert (bei 75 Grad Celsius). Seit 1998 hat Gut Wilhelmsdorf dafür auch eine eigene Molkerei. Außer einer sehr kleinen Hofmolkerei in Lemgo ist sie die einzige ihrer Art in OWL. Auch eine Biogasanlage gibt es. Der Hofladen liegt seit mittlerweile fünf Jahren in den Händen von Michael Hillmann. Dort gibt es neben den Wilhelmsdorfer Produkten auch ein gut sortiertes Naturkost-Sortiment.

 

© 2015 Neue Westfälische, Mittwoch 10. Juni 2015

 

 

 

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Kunst an (fast) jeder Ecke

 

Kulturelle Entdeckungsreise durch das Herz Sennestadts

 

Schon Hans Bernhard Reichow bemühte sich bei der Gründung, die geplante Stadt Sennestadt kulturell attraktiv zu gestalten - dieses Bestreben wird mit dem Skulpturenpfad fortgesetzt.

 

Von Judith Gladow | Neue Westfälische-Süd


Mitten auf dem Reichow-Platz sind sie kaum zu übersehen: Fließende Linien prägen die drei Formen, die eine gedrungen, die andere aufrecht stehend, die dritte liegend. Da, wo Kinder auf ihnen herum geklettert sind, verändert sich - poliert durch Hände und Beine - die Patina der Bronze. 

Anthony Craggs Kunstwerk "Auf der Lichtung" ist eine der augenfälligsten und bekanntesten der 32 Skulpturen, die im ganzen Stadtbezirk auf dem Skulpturenpfad zu entdecken sind.

"Das ist lebendig", sagt die Sennestädter Künstlerin Jutta Kirchhoff über die Abnutzungen. Sie leitet mehrmals im Jahr Führungen zum Skulpturenpfad. Wind, Wetter und eben auch Berührungen machen für sie die Skulpturen im gesamten Stadtbezirk zu einer dynamischen Konstante. 

Die 15 Werke, über die sie in ihren Führungen spricht, befinden sich rund um das Bullerbachtal und können schon in einem kleinen Spaziergang von aufmerksamen Augen schnell entdeckt werden. 

Insgesamt zieht sich der Pfad im Norden bis zum Waldfriedhof und im Süden gar bis nach Dalbke.

Kunst im öffentlichen Raum hat in Sennestadt eine lange Tradition. "Schon als Sennestadt geplant wurde, wurde gleich auch ,Kunst am Bau? gefördert", berichtet Kirchhoff von Hans Bernhard Reichows Bemühungen, die geplante Stadt kulturell attraktiv zu gestalten. Einige dieser Werke wurden während des Baus ausgeschrieben und speziell auf ein Gebäude zugeschnitten. So wie das Wandbild "Frühling des Lebens" von Ernst Hansen von 1954, das die Stirnwand der Hans-Christian-Andersen-Schule schmückt.

Bis zum Jahr 1980 gab es in Sennestadt bereits zwölf der Skulpturen auf dem Pfad, darunter sieben unter dem Schlagwort "Kunst am Bau". Danach zog vor allem die Ausstellungsreihe "Skulptur aktuell" weltweit anerkannte Künstler in den Stadtteil. Neun Werke wurden aus den Ausstellungen übernommen und sind heute immer noch zu bewundern. 

Darunter befindet sich auch "Wandlung", eine Bronzearbeit von Rainer Hagl, die direkt vor dem Sennestadthaus die zwei Seiten der Persönlichkeit festhält: "Das ist das Schild, das jeder vor sich her trägt", sagt Kirchhoff über die Vorderseite, eine Fassade aus polierter Bronze, hinter der sich - nicht mehr ganz so glänzend - der eigentliche Körper befindet. Beide sind gezeichnet von den Narben des Lebens. 

Mehr Informationen zu den Skulpturen gibt es unter anderem in einer umfangreichen Broschüre inklusive Lageplan, die beim Bezirksamt im Sennestadthaus, Lindemannplatz 3, erhältlich ist. 

 

© 2015 Neue Westfälische, Mittwoch 10. Juni 2015

 

 

 

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Bildergebnis für Sennestadt Kreuzkirche

 

Wahrzeichen und Schmuckstück

 

Förderverein sorgt für Betrieb und Erhaltung der historischen Kreuzkirche

 

Sie weckt Erinnerungen und eignet sich gut dafür, neue Erinnerungen zu schaffen. Kein Wunder, dass sich so viele Ehrenamtliche für diese Kirche einsetzen.

 

Von Sibylle Kemna | Neue Westfälische-Süd

 

Die Dorfkirche, für die die Menschen im 19. Jahrhundert jahrzehntelang gekämpft haben, wird heute nicht mehr von der Landeskirche finanziert. Ein aktiver Förderverein sorgt seit elf Jahren für den Betrieb und Erhalt des historischen Gebäudes.

Das Besondere ist der fehlende Turm. So entsteht die charakteristische Optik, die dem Kirchenschiff in Verbindung mit dem Glockenturm ein markantes Aussehen verleiht. Viele Sennestädter sind hier getauft oder konfirmiert worden - darum weckt die Kirche viele schöne Erinnerungen. Aber auch jüngere Leute fasziniert das denkmalgeschützte Kirchlein. Die evangelische Kirchengemeinde und die Landeskirche haben mit dem Neubau des Kreuzkirchenforums, in dem viele Kurse, Seminare und Feste stattfinden, gezeigt, dass sie die Kreuzkirche als Standort für das Gemeindeleben unterstützen.

Der Förderverein plant, mit einer baulichen Verbindung zwischen dem Gemeindehaus und der Kirche Weichen zu stellen für eine noch stärker multifunktionale Nutzung zusätzlich zu den Gottesdiensten, Hochzeiten und Taufen. "Kulturstätte in historischem Ambiente", nennt der Vorsitzende des Fördervereins, Henry Schmidt, diese Profilierung. 

Vorbild ist der "Musiksommer" mit hochklassigen Konzerten in den Ferien. Dank der weitgehend gagenfrei auftretenden Musiker, die vor allem aufgrund der Verbindung zu Organisator Dieter Mayer kommen, trägt die Konzertreihe auch zum Erhalt der Kirche bei. Regelmäßig spenden die Konzertbesucher mehr als 4.000 Euro. Insgesamt bringen die rund 250 Mitglieder und Sponsoren des Fördervereins mehr als 20.000 Euro jährlich auf für Betrieb, Erhalt und Rücklagen. Zudem sind zwei Dutzend Ehrenamtliche im Einsatz, von der Pflege über den Blumen- bis zum ehrenamtlichen Küsterdienst "Viele, die kommen, kennen die Kirche gar nicht und sind begeistert von ihrer schönen Atmosphäre", sagt Schatzmeister Dieter Haase. Ihn erreichen viele Anfragen von Paaren, die hier heiraten wollen. 

 

© 2015 Neue Westfälische, Mittwoch 10. Juni 2015

 

Bildergebnis für Kreuzkirche sennestadt

 

 

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Bildergebnis für eckardtsheim bielefeld

 

Eine Ortschaft wird immer bunter

 

Eckardtsheim bietet Kultur, Inklusion und Spaß

 

Feste, Bethel und der allseits bekannte Weihnachtsmarkt - Eckardtsheim hat sich längst zur attraktiven Ortschaft entwickelt, geprägt durch engagierte Bürger, Vereine und auch Unternehmen.

 

Von Monika Kophal | Neue Westfälische-Süd

 

Die Anstalt Eckardtsheim wurde 1882 mit dem Aufbau der ersten deutschen Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf durch Friedrich v. Bodelschwingh gegründet. "Es dauerte nicht lang", erzählt Ortschaftsreferent Edmund Geißler, "und eine bunte Ortschaft wuchs heran". Zunächst seien es vermehrt Bewohner der Einrichtungen oder dessen Familien gewesen, die zur Nachbarschaft zählten.

1999 dann, als Bethel auf die dezentrale Unterbringung setzte, verteilten sich die Bewohner auf ganz Bielefeld. Jeder sollte quasi da unterstützt werden, wo er aufgewachsen ist. Bethel fing an, Flächen zur Bebauung freizugeben, immer mehr Menschen zog es in die Gegend. Heute ist Eckardtsheim im Stadtbezirk Sennestadt ein lebendiger Ort. "Die Menschen hier", so Geißler, "gestalten inklusive Begegnung mit kultureller Vielfalt". Ob die Freiwillige Feuerwehr, der Verein Freiraum oder auch die Zionsgemeinde sowie die Bürger - alle helfen mit. Der Spielplatz etwa vor dem Freizeitzentrum Eckardtsheim wurde vom Verein Freiraum gebaut. Auch die Wartung übernimmt der Verein noch heute. So werde beispielsweise der Sand im Sandkasten vom Verein jährlich aufgeschüttet - sehr zur Freude der Kleinen. 

Christina Tränkner besucht den Spielplatz mit ihren Söhnen Simon (4) und Leon (15 Monate) regelmäßig. "Wir kommen gebürtig aus dem Ruhrgebiet. Hier in Eckardtsheim fühlen wir uns wohl. Eine sehr familienfreundliche Ortschaft." 

Regelmäßige Feste gehören in Eckardtsheim dazu. Der legendäre Weihnachtsmarkt ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und beliebt. Über 4.000 Besucher treibt es in der Adventszeit nach Eckardtsheim. Im Sommer organisiert man in der Ortschaft gemeinsam das Fest "Eckardtsheim mittendrin". Vier Wochen lang kann sich die Nachbarschaft über Angebote aus den Bereichen Kultur, Sport oder Musik freuen. 

Beim alljährlichen Sennestadtfest tritt der Kinderzirkus - organisiert von der Kinder- und Jugendarbeit - auf. "Clownerie und Artistik, die Kinder haben einiges zu bieten", erklärt Edmund Geißler. Für viele Kinder geht es in diesem Sommer auch wieder zur Ferienfreizeit nach Kroatien.

 

© 2015 Neue Westfälische, Mittwoch 10. Juni 2015

 

Die Elbeallee in Sennestadt - da wo ich wech komme ...

Lokalzeit OWL vom 28.04.2015 - Moderation Kristina Sterz - mit Straßenexperte

Jörg Brökel

 

Diesmal ist Straßenexperte Jörg Brökel in einem Baudenkmal unterwegs, das erst in den 1960er Jahren fertiggestellt wurde: Denn die Elbeallee in Bielefeld-Sennestadt führt direkt in den Kern der Siedlung, die in den 1950er Jahren am Reißbrett entstand. Hier trifft Jörg Brökel auf den Architekten Peter Holst, der noch mit dem legendären Sennestadtplaner Reichow zusammengearbeitet hat.

Stadtwappen Sennestadt 1816 - 1973 - WIKIPEDIA-Infos zur Sennestadt: Wappen anclicken ....

Und nun die ganze Wahrheit: DIE REAL EXISTIERENDE SENNESTADT-VERSCHWÖRUNG

Der Beweis: BI-SENNESTADT an der A 2 tatsächlich gestrichen ... auf der WESTFALEN-BLATT-GRAFIK - im Original ...

Ähh - ich als in (BI)Schildesche geborener "Schildsker" - bin inzwischen seit fast 40 Jahren wohnhaft in der in Wirklichkeit wohl kaum mehr real existierenden (BI)"Sennestadt".

 

Die oben beschriebene, seit 20 Jahren von den Medien und der Kanzlerin ausgelutschte "Verschwörungstheorie" BIELEFELD GIBT ES NICHT, hat nun genug Lacher gehabt: Nun ist Zeit für die ganze Wahrheit - denn:

 

Ich lebe wahrhaftig in einem eventuell nur noch "virtuell" existierenden Lebensumfeld. Nun wurde sogar der Name der Autobahnabfahrt der A2 "Bielefeld-Sennestadt" als letzter allgemein weithin sichtbarer - und in den Verkehrsnachrichten hörbarer - Beweis der Existenz dieses Stadtteils ersatzlos ausgelöscht - denn dort heißt es jetzt kurz und bündig: "Bielefeld-Süd" - (anderslautende Verlautbarungen auf der offiziellen Bielefeld-Homepage zum Stadtteil "Sennestadt" oder auf der Staumeldungsgrafik zum Verlauf der A2 des WDR sind mittlerweile einfach überholt und somit im Moment falsch).

 

Dieser 1973 eingemeindete - mittlerweile etwas in die Jahre gekommene - weil von der Vater-/Mutterstadt wenig gepflegte - frühere Vorzeige-Stadtteil wurde seither zunächst in einen Dornröschen-Schlaf versetzt - und niemand mehr konnte ihn jemals wieder wachküssen ... : "Sennestadt" ist somit einfach entschlafen ... - nach kurzem bitteren Leid ... Der Name und somit die Identität auch für uns Bewohner wurde ihm hinterrücks genommen ...

 

(Übrigens: Die Bielefelder Stadtbahnlinie 1 fährt per Hinweistafel nur bis zur Endstation SENNE - also nicht bis "SENNESTADT" - und die Anschlussbuslinie 135, die dann den Besucher vermeintlich in die "SENNESTADT" bringen sollte - fährt laut Hinweistafel zur Bus-Endstation "Württemberger Allee" - "SENNESTADT" ist als Verkehrsziel vollkommen getilgt - zumal der Bahnhof "Sennestadt" im Volksmund seit eh und je "Bahnhof Kracks" genannt wird ...)

 

Erst neulich wurde dann auch noch - wie jedes Jahr immer wieder neu - das hiesige Bezirksamt mit Bürgerberatung in "Sennestadt" vor Ort - immerhin runde 15 Kilometer von der City in Bielefeld entfernt - abermals zur Disposition gestellt - eben aus Kostengründen jener tatsächlich existierenden Stadt Bielefeld, die seit Jahren etwas klamm ist - um nicht "pleite" zu sagen ...

 

Also - die einzige tatsächlich existierende und in die Realität umgesetzte "VERSCHWÖRUNGSTHEORIE" in und um Bielefeld - und um Bielefeld herum - lautet: (BI)SENNESTADT - DIE GIBT'S DOCH GAR NICHT (MEHR) ...

WIKIPEDIA-Infos zur Sennestadt: Bitte das "Ortseingangsschild" anclicken ...
WIKIPEDIA-Infos zur "Bielefeld-Verschwörung": Bitte "Ortseingansschild anclicken ...

VERSCHWÖRUNGSTHEORIE FEIERT 20-JÄHRIGES JUBILÄUM

BILD.de auf Spurensuche! 


Von JONAS NIERSMANN und INGO GENTNER - BILD.de - 25.01.2013


Bielefeld? Noch nie dort gewesen. Kenne auch niemanden, der jemals dort war. Bielefeld – das gibt's doch nicht wirklich, oder doch? BILD.de war auf investigativer Spurensuche ...


Ein Anruf im Bielefelder Rathaus. Die Stadtspitze muss doch wohl am ehesten wissen, ob es die Stadt nun gibt, oder nicht. Es ist besetzt. Heißt aber: Es ist jemand da, hat nur gerade keine Zeit. Zweiter Versuch: immer noch besetzt.

 

Auch beim dritten Anruf kein Durchkommen.So langsam kommen die ersten Zweifel. Vielleicht landen wir mit dieser Telefonnummer auf irgendeinem Bielefeld-Verschwörungs-Anrufbeantworter?! So als Tarnung, damit es so wirkt, als gebe es die Stadt tatsächlich. Perfekte Inszenierung quasi.

 

Dann, beim vierten Versuch, endlich ein Freizeichen! Telefonieren wir jetzt gleich mit einem Bielefelder Menschen? Wir sind nervös. Doch dann plätschert Musik in der Leitung. Eine weibliche Computerstimme sagt, dass im Moment leider alle Mitarbeiter besetzt wären. Klar ...

 

Wir bleiben hartnäckig in der Warteschleife. Eine Minute, zwei Minuten, drei, vier, fünf ... Dann endlich wieder ein Freizeichen! Adrenalin schießt uns in den Körper! Ist es jetzt endlich soweit? „Bürger Service Center Bielefeld, einen schönen guten Morgen!“
Juhu, es gibt sie tatsächlich! Die freundliche Dame am Telefon verbindet uns mit dem Vorzimmer von Bürgermeister Pit Clausen. Britta Klausing bestätigt uns: „Ja, Sie telefonieren tatsächlich mit Bielefeld, einer wunderschönen Stadt in Ostwestfalen!“

 

BILD.de hat jetzt den ultimativen Super-Beweis: ES GIBT BIELEFELD WIRKLICH!

 

DIE ENTSTEHUNG DER LUSTIGEN VERSCHWÖRUNGSTHEORIE

 

Heute feiert die Kult-Verschwörungstheorie ihr 20-jähriges Jubiläum. Aber was und vor allem wer steckt dahinter?Entstanden ist das Gerücht über die Nicht-Existenz Bielefelds 1993 auf einer Studentenparty in Kiel. Einem Freund von Informatikstudent Achim Held (43) rutschte dort der Satz: „Das gibt's doch gar nicht“ heraus, als ihnen ein Bielefelder gegenüberstand.


Kurze Zeit später waren die beiden auf dem Weg zu einer Spielmesse in Essen. Als sie bemerkten, dass die Autobahnabfahrten in Richtung Bielefeld gesperrt waren, sponnen sie den Gedanken weiter. Ein Jahr später verfasste Held in einem Internetforum einen Eintrag, in dem er die Existenz der ostwestfälischen Stadt anzweifelte.

 

Seit mittlerweile 20 Jahren hält sich die "Bielefeld-Verschwörung" schon. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel kennt sie! Bei der Verleihung des Deutschen Sozialpreises im November 2012 erzählte sie auch von Gesprächen mit Bürgern in Bielefeld und fügte an: „...so es denn existiert.“

 

Erst im Jahr 2009 besuchte Achim Held das erste Mal die Stadt, die es eigentlich gar nicht geben soll. Damals sei er sehr freundlich empfangen worden, erinnert er sich. Die Stadt habe sehr viele nette Ecken. Nur das Meer, das Held in seiner Geburtsstadt Kiel hat, fehle ihm in Ostwestfalen...


Nächstes Jahr steht in der Stadt ein rundes Jubiläum an: Bielefeld feiert seinen 800. Geburtstag mit viel Selbsthumor. Helds Verschwörungstheorie wurde sogar als Motto der Feier gewählt: „800 Jahre Bielefeld – Das gibt's doch gar nicht“.

 

Über einen Besuch vom Verschwörungstheorie-Erfinder würden sich die Stadt übrigens freuen: „Herr Held ist immer sehr willkommen in Bielefeld“, sagt Sabine Moka vom Marketing der 800-Jahr-Feier.

 

Helds Absicht sei es damals gewesen, sich über ernst gemeinte Verschwörungstheorien lustig zu machen. Dass es dabei Bielefeld erwischt habe, sei Zufall gewesen. „Ich habe nie daran gezweifelt, dass es Bielefeld wirklich gibt”, sagt der promovierte Informatiker.


Es war einmal ... - Universität für Sennestadt geplant ...

So hätte es sein können: Am Ende der Elbeallee, am Südhang des Teutoburger Waldes, hätte nach Ansicht von Sennestadtplaner Hans Bernhard Reichow eine Universität errichtet werden können. In der Mitte des Bildes steht das Sennestadthaus mit dem es umgebenden Teich, dahinter, westlich des Bullerbachgrünzugs, ist der Turm der Jesus-Christus-Kirche erkennbar.
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Eine Universität für Sennestadt

 

Hans Bernhard Reichow schlägt Südhang des Teutoburger Waldes als Ort vor

 

von Silke Kröger | NEUE WESTFÄLISCHE-SÜD

 

Sennestadt. Ein Netz von Schulen, ein unmittelbarer Autobahnanschluss, ein großes Grundstück, dazu ein gesundes Wohnklima und attraktive Sport- und Freizeitangebote - da fehlt nur noch eine Universität, dachte sich Sennestadt-Architekt Hans Bernhard Reichow. Er hätte "seine" Modellstadt gern mit einem solchen Bildungsjuwel gekrönt. Als 1965 über den Standort einer Hochschule im Raum Bielefeld diskutiert wurde, brachte er Sennestadt in die Überlegungen ein. 

 

Im Sennestadtarchiv werden Reichows Ausführungen bis heute aufbewahrt. Auf eng beschriebenen Schreibmaschinenseiten, säuberlich in einer blauen Schutzmappe abgeheftet, und in einer bebilderten Schwarzweiß-Broschüre fasst er (unter Mitarbeit von Albrecht Quilling und Hans-Ulrich Eltze) die Vorzüge eines Südstandortes für eine Ostwestfalen-Universität zusammen. Durch die Lage an der Autobahn am Südhang des Teutoburger Waldes - der Sennestadtplaner nennt ganz konkret das "Windel-Grundstück östlich des Autobahn-Durchstiches" und die "Lämershagener Flur" - seien unmittelbare Kontakte zu Hochschulen etwa in Dortmund und Münster möglich. Gleichzeitig wäre die OWL-Uni dort dank exponierter Lage für "Millionen Deutsche und Europäer" eine weit sichtbare "Repräsentation deutschen Geistes und seines baulichen Schaffens" und "wie nirgends im Bielefelder Raum auch städtebaulich wirksam". Der Standort verbinde Klein- und Mittelstädte, die Großstadt Bielefeld liege in greifbarer Nähe. 

 

Auch das Areal selbst sei für eine Uni ideal, meint Reichow: "Auf reinem Sandboden, wo keine Bauern von ihren Höfen weichen müssen, kein wertvolles Ackerland geopfert und keine ausgesprochenen Dorflagen ihres womöglich noch charaktervollen Dorfbildes beraubt, nicht mal einzelne wertvolle ländliche Bauwerke fallen werden". Zudem sei das Grundstück "in einer Hand", selbst für mögliche Erweiterungen sei genügend Platz da "in junger, aber relativ wertloser Schonung auf ackerbaulich wertlosem Sand". 

 

Reichow hat auf den undatierten Schreibmaschinenseiten, die sich zum Teil im Wortlaut in der Broschüre wiederfinden, auch schon den möglichen Flächenbedarf überschlagen: Er geht von 50,1 Hektar Nettobauland für ein mehrgeschossiges Unigebäude mit drei Fakultäten plus 15,3 Hektar für Straßen, Plätze und Parks aus. 

 

Für die Unterbringung von Lehrenden und Lernenden müssten 10 Wohneinheiten für Professoren, 100 für Dozenten, 200 für Assistenten und 200 für das technische Personal sowie 100 Appartements "für Ledige" vorgehalten werden, schätzt Reichow; dazu listet er rund 1.000 Plätze in Studentenwohnheimen, 20 Appartements und 20 Zimmer in Gästeheimen auf. Sie könnten im Erweiterungsgebiet der Sennestadt entstehen, aber auch in der neuen Südstadt von Oerlinghausen oder in den Siedlungsgebieten von Senne. Eine isolierte Unterbringung von Professoren und Studenten sei nicht wünschenswert: "Denn niemand liebt ein Leben und Wohnen im ,Ghetto? - am allerwenigsten Professoren und Gelehrte."

 

Vorausschauend hat sich Reichow auch über die Freizeitgestaltung Gedanken gemacht, in seinen Augen ein wichtiger Standortfaktor, der viele Studenten hierher ziehen könnte. Ihnen böte die Region - die "völlig frei von Belästigungen der Industrie, wie Rauch, Ruß und Lärm, ist" - eine reichhaltige Auswahl von Skifahren und Rodeln beidseitig des Universitätsgebäudes über die Schlittschuhteiche, die bereits in der Sennestadt geschaffen worden seien, zahlreiche Wanderwege und eine Reithalle bis hin zum Segelflugplatz in Oerlinghausen: "Was an Sport- und Erholungsanlagen für eine neue Universität nur erträumt werden kann, ist hier großenteils schon vorhanden oder im Werden."

 

Reichow verschweigt aber auch nicht, dass seine Modellstadt derzeit noch ein "Torso" sei: Gebaut werden müssten noch Stadion, Sporthalle, Bahnhof, Inselhotel, Rathaus, Ledigen- und Altenwohnheim. Aber: "Es wäre der jungen Stadt neben der gewerblichen und wirtschaftlichen Entfaltung eine ähnliche in geistig-kultureller Hinsicht zu wünschen." Mit einer Uni wäre Sennestadt "auf einen Schlag zur Vollendung und Krönung verholfen".

 

Doch soweit sollte es nicht kommen. Sennestadt wurde beim Standortgutachten zwar berücksichtigt, erreichte bei der Makrobewertung mit 0,11 aber den schlechtesten Wert (Bielefeld: 1,0). Bei den Mikrostandorten kam der heutige Stadtbezirk immerhin auf eine Punktezahl von 0,78 und lag damit noch vor Theesen, Oldentrup, Detmold, Elverdissen, Herford und Soest (aber hinter Paderborn). Gleichwohl siegte auch hier der Standort Bielefeld-Wellensiek-Großdornberg - mit der Punktezahl 1,0. 
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info
Entscheidung über den Standort
  • Der Soziologe Prof. Helmut Schelsky (Uni Münster) erhält am 9. März 1965 von Kultusminister Paul Mikat den Auftrag für die vorbereitende Planung einer Universität in Ostwestfalen. 
  • In Düsseldorf ist am 11. November 1965 die konstituierende Sitzung des Gründungsausschusses für die neue Universität.
  • Der Ausschuss verabschiedet am 1. März 1966 dazu "Strukturmerkmale". 
  • NRW-Ministerpräsident Franz Meyers teilt am 6. Juni 1966 mit, das Kabinett habe sich für Bielefeld als Hochschul-Standort entschieden.

 

 

© 2015 Neue Westfälische
03 - Bielefeld Süd, Donnerstag 19. Februar 2015

Sennestadt: Kommunale Gebietsreform vor 40 Jahren: Schweigen statt Feuerwerk ... - und wer hat uns verraten: die Christdemokraten ...

SENNESTADT - 40 Jahre Zwangsadoption nach Bielefeld: Von Stiefeltern und Zwangsadoptionskindern - ein Ausflug in die Märchenwelt ...

© 2013 Neue Westfälische | 05 - Bielefeld mit Oerlingh.-Leopoldsh., Freitag 04. Januar 2013

 

sinedi: Das bittere Ende der Eigenständigkeit Sennestadts - und wer hat es verraten: die Christdemokraten - lesen Sie selbst ...

 

"Kragenkreis" war chancenlos


Vor 40 Jahren übernahm ein Staatskommissar die Regierung in Bielefeld

 

VON ARNO LEY - Neue Westfälische

 

Bielefeld. Am 1. Januar 1973 übernahm der Staatskommissar die politische Leitung der Stadt Bielefeld. Kein Rat, keine Bezirksvertretung konnte ihn in die Schranken weisen. Hanns Winter war beauftragt, auch die Aufgaben des Oberbürgermeisters wahrzunehmen. Und dennoch wird er in kaum einer Chronik erwähnt. Bielefeld befand sich für gut vier Monate in einer Übergangsphase. Stadt und Kreis waren zusammengeschlossen worden. Ein gemeinsamer Rat wurde erst Ende März gewählt.

 

Der 1. Januar 1973 ist der Stichtag für die "kommunale Gebietsreform" in unserer Region. Die früheren Kreise Lemgo und Detmold wurden zu Lippe vereinigt, aus den Kreisen Wiedenbrück und Halle wurde der heutige Kreis Gütersloh. Zahlreiche Gemeinden und Kleinstädte verloren ihre Selbstständigkeit. Der dickste Brocken bei der Neuordnung in der Region war Bielefeld, dass bis dahin aus einer Kern-Großstadt und einem umgebenden Kreis bestand, in dem vor allem die beiden selbstständigen Städte Brackwede und Sennestadt auf ihre Eigenleben stolz waren. Es hatte Jahre gedauert, bis die neuen Grenzen beschlossen wurden. Es dauerte weitere Jahre, bis alle Gerichtsverfahren gegen die Neuordnung beendet waren. Vor 40 Jahren entstand die heutige Großstadt beiderseits des Teutoburger Waldes. 

 

Einer der Mitwirkenden an den politischen Entscheidungen war Klaus Schwickert – zunächst als Landrat des alten Kreises ein Skeptiker, als Landtagsabgeordneter ein Kritiker der Grenzen, die das Gesetz schuf, und schließlich doch Oberbürgermeister der neuen Stadt. Der Sozialdemokrat hatte noch wenige Wochen vor der entscheidenden Abstimmung im Landtag versucht, die Grenzen anders zu ziehen.

 

"Wir wollten den Kreis erhalten", erinnert sich Schwickert an einen heute verwegen erscheinenden Plan. Bielefeld, das damals aus dem Gebiet der heutigen Stadtbezirke Mitte, Schildesche und dem Ortsteil Stieghorst bestand, sollte wachsen, aber nicht so viel, wie es die Landesregierung vorschlug. Dornberg im Westen sollte hinzukommen, im Osten sollte es bis zur Autobahn reichen und im Norden um Teile von Brake, Milse und Vilsendorf erweitert werden. 

 

Der frühere Landkreis Bielefeld suchte die Flucht nach vorne. "Wir wollten alle vereinigen, die zum Einzugsgebiet von Bielefeld gehörten", erklärt Schwickert einen Plan, der um einiges größer war als das heutige Stadtgebiet. Ein neuer Umland-Kreis sollte den Altkreis Halle aufnehmen, hinzu Spenge und möglichst auch Enger im Norden. Im Osten versuchte man Oerlinghausen und Leopoldshöhe hinzuzugewinnen. Schloß Holte-Stukenbrock war bereits 1970 zum alten Landkreis gekommen, aus dem Brackwede und Sennestadt sich der Eingemeindung nach Bielefeld mit der Idee des "Kragenkreises", wie er genannt wurde, zu entziehen hofften.

 

Wie kaum eine andere Entscheidung entzweite die Gebietsreform die damaligen politischen Vertreter quer durch die Parteien. Die Vertreter der Kreises Bielefeld hatten an den Grundfesten der lippischen Politik gerüttelt. Der Vorschlag, Oerlinghausen und Leopoldshöhe dem Kreis Bielefeld zuzuordnen, hatte dort keine Chance. Das bis 1946 selbstständige Territorium Lippe hatte sich vor dem Anschluss an Nordrhein-Westfalen zusichern lassen, dass seine Grenzen unantastbar sind.

 

Doch Schwickert ließ nicht locker. Im Landtag suchte er Verbündete. In seiner Partei fand er 26 Sozialdemokraten, die bereit gewesen wären, mit ihm gegen den Gesetzesentwurf der eigenen Regierung zu stimmen. Als er Kontakt aufnahm zu Bernhard Worms, den CDU-Sprecher für die Neuordnung, erlebte er eine Überraschung. "Die CDU-Fraktion unterstützt den Regierungsentwurf, sagte der knapp", erinnert sich Schwickert. "Peng, da war klar, dass an der Reform mit den heutigen Grenzen kein Weg mehr vorbeiführte." 

 

Fortan kümmerte sich Schwickert darum, die absehbare Zukunft zu gestalten. Gemeinsam mit Oberkreisdirektor Hans-Martin Kahler setzte er sich erfolgreich dafür ein, die vergrößerte Stadt in Bezirke aufzuteilen, die eigene Vertretungen bekamen. Bielefeld wurde damit Vorbild für andere Großstädte. Am 25. März 1973 wurde der erste gemeinsame Rat gewählt, am 6. April der Sozialdemokrat Herbert Hinnendahl, der vorherige Oberbürgermeister der alten, auch zum politischen Chef der neuen Stadt Bielefeld. 

 

Erst danach konnte Hanns Winter seine Arbeit in Bielefeld beenden. Er ging zurück nach Detmold. Dort war er seit 1970 eigentlich Vizepräsident der Bezirksregierung. 1980 wurde er Staatssekretär im Ministerium für Landes- und Stadtentwicklung. Die Arbeit in Bielefeld bliebt auch für ihn eine Episode.

 

Klaus Schwickert wurde 1973 Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat und hat nach der Kommunalwahl 1975 selbst als ehrenamtlicher Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt maßgeblich beeinflussen können. Was für die Zeitgenossen als erbitterte Auseinandersetzung in der Erinnerung geblieben ist, der Kampf um die Eigenständigkeit gegen Bielefeld, ist für die Jüngeren ein Teil längst ferner Geschichte. Von den heutigen knapp 325.000 Einwohnern war fast die Hälfte noch nicht einmal geboren, als die Grenzen neu gezogen wurden.

 

aus: http://www.nw-news.de/owl/kreis_lippe/oerlinghausen/oerlinghausen/7573541_

Kragenkreis_war_chancenlos.html

 

Kommentar sinedi:

Dieser interessante Artikel erschien in der NW zum 40. Jahrestag der Kommunalen Gebietsreform - allerdings nur in der Regionalausgabe für Oerlinghausen - im heutigen Kreis Lippe - Zusammenschluss der Altkreise Lemgo und Detmold ... - in den Bielefelder Regionalausgaben - also in den Ausgaben des Altkreises Bielefeld - konnte ich diesen Artikel nicht finden ...  

 

sinedi vermutet: Er wurde verschwiegen, um nicht in alten Wunden herumzuprokeln ... - was aber gerade für die jüngere Generation so wichtig wäre, nämlich zu erfahren: Warum es denn mal durch das Schulfenster zieht - und der Kitt aus den Ritzen fällt ... - oder wenn einem im Auto beim Befahren der Bodenwellen der unrenovierten "Alleen" in Sennestadt, das Frühstück wieder hochkommt ...

... arme, ausgesetzte Stiefkinder - alleingelassen im großen Wald

Ja - wie fühlt sich das Waisenkind "Sennestadt" - dass vor 40 Jahren entgegen seinem eigenen Willen von der Vater-/Mutter-Stadt Bielefeld zwangsadoptiert wurde - und dass eindeutig zu rasch zu einem ungeliebten und vernachlässigten Stief-Sprössling heranwuchs - denn es war zum Zeitpunkt seiner Adoption viel hübscher und jünger als all seine Geschwister (beispielsweise Brackwede oder Senne I oder Jöllenbeck oder Heepen oder Niederdornberg-Deppendorf usw. ...), die alle schon ordentlich Falten angesetzt hatten - aber bei ihm selbst lief doch der Laden...

 

Und all die Jahre ruft es: "Hab mich lieb - liebe Zwangs-/Stief-Eltern-Stadt..." - aber außer einem sehr flüchtigen Übers-Haar-Streicheln gibt es da nichts an Zuwendung, weil man selbst nur noch vor dem Spiegel kokettiert - ehe man pleite geht (Oetker und der Bielefelder Kinderchor und Arminia und die Stadthalle und die Stadtbahn als U-Bahn und die Universität und die Kunsthalle und der Ober- und der Untersee - oder doch nur der Obersee ... - das sind die Aushängschilder, die allmählich Staub ansetzen ...): "... Ja - und das versprechen sie dem Adoptivkind (vielleicht): ... irgendwann fährt auch mal die Stadtbahn bis euch zur Travestraße oder gar bis zur Württemberger Allee - vielleicht in weiteren 40 - 50 - oder erst in 60 Jahren - wer weiß - ... aber immerhin - so Gott will - und wir leben" ...

 

Dem Adoptivkind wird ganz gram ums Herz dabei - und es weint bitterlich, als es bei sich die ersten grauen Haare auf seinem Haupt entdeckt, die sich dann jedoch sehr rasch vermehren: Es schaut voller aufrichtiger Traurigkeit und Anteilnahme auf die furchtbar ramponierten Straßenbeläge in seinem ganzen Bezirk, wo all die unvermeidlichen Schürfwunden all der Jahre und die Frostaufbrüche von 40 Winter nur noch äußerst sporadisch geflickt werden: Was waren das alles vor 40-50 Jahren doch noch für Prachtalleen gewesen - und nun: die reinen Mondlandschaften ...

 

Und schon die Nachbargemeinde Schloß Holte-Stukenbrock gehört zu den schuldenfreien und reichen Gemeinden im Land [ehemals bis 1973 wie Sennstadt eine eigenständige Gemeinde im Landkreis Bielefeld - man vergleiche nur mal den Zustand der beiden Bahnhofsgebäude als Nachbarbahnhöfe heutzutage miteinander - fast gleichalt und fast baugleich - an der gleichen Bahnlinie gelegen ...] - und Sennestadt selbst - vor 40 Jahren zwangseingemeindet - läuft in Lumpen daher:  Okay - da gibt es mal ab und an irgendwelche sparsam ausgestatteten Förderprogramme: "Stadtumbau West" - oder wie die auch immer alle marketinggerecht heißen mögen (die dazu aufgestellten Werbeschilder scheinen oft teurer und größer als die durchgeführten Maßnahmen) - und die schaffen drei kleine viel zu bunte Trampelboote auf dem See vor dem Bezirksamt und ein paar Ufergehölz-Rodungen und -Begradigungen - und ein paar dringend notwendige Sanierungen in ganz kleinen Häppchen für ein paar wichtige Gebäude - aber das ist letztlich wie endlich neue Schuhe kaufen für die runtergetretenen und ausgelatschten und längst zu kleingewordenen längst überfälligen Latschen, mit denen man herumschlurfen muss - nach den guten Maßschuhen vom eigens abgenommenen Leisten in den Gründerjahren ...

 

Und nun verleugnet man von diesem sowieso schon ungeliebten Zwangsadoptivkind noch den tatsächlichen Taufnamen - und bemüht sich mit aller Kraft ihn völlig auszuradieren - seine Existenz und - das Schlimmste - seine Identität - zu verleugnen - auszulöschen ...(Umwidmung der BAB-Anschlussstelle "Bielefeld-Sennestadt" in "Bielefeld-Süd" ... - neue Anschlussstelle "Bielefeld-Senne" an der  A 33 ...)

 

Ungeliebte Stiefkinder werden eben seit der Märchen Zeiten von all den Stiefeltern in all den immer gleichen Geschichten grausam behandelt, ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen: Und wäre nicht ein Mann gekommen - hätt' sich ein Herz genommen - o weh ...

 

Und die in die Jahre gekommene  - oder: die mit den Jahren verkommene - Sennestadt muss sehen, ob es mal irgendwo und irgendwann beim Herumstreunen im Teuto ein Lebkuchenhaus entdeckt, wo man vielleicht die alte dort wohnende Hexe über den Bullerbach gehen lassen könnte - und wo man sich an die feucht schwitzigen Händchen anpacken kann - um tief seufzend endlich auszurufen: Es ist geschafft - wir leben ...  

Stadtwappen Sennestadt 1816 - 1973 - WIKIPEDIA-Infos zur Sennestadt: Wappen anclicken ....

Geplante Umgestaltung des Bahnhof "Kracks"/Sennestadt

Geplanter Bahnhof "Kracks"/Sennestadt mit P+R und K+R-Zone ...
Die Stadt hat im Frühjahr 2011 den alten Bahnhof und vor allem das umliegende Grundstück von der Deutschen Bahn AG gekauft. Das war der Startschuss für  die komplette Umgestaltung unseres Bahnhofs. Im Frühjahr 2012 wurden der Öffentlichkeit und der Politik in Sennestadt die ersten Planungen vorgestellt. Das alte Bahnhofsgebäude soll abgerissen werden und es soll ein moderner Busbahnhof mit Park  &  Ride Parkplatz entstehen.

 

Auch an die Radfahrer wurde gedacht, es  werden  überdachte  Radbügel  und sogar  abschließbare Radboxen  gebaut. Außerdem wird es eine „Kiss & Ride"-Zone geben. Dies ist auch für die Sennestädter Politiker ein ganz neuer Begriff gewesen. Es handelt sich vereinfacht beschrieben um eine Haltezone, an der der Autofahrer den Beifahrer am Bahnhof aussteigen lässt und mit einem Küsschen verabschiedet.

 

Diese Maßnahmen sind u.a. auch deshalb nötig, weil die Sennebahn zukünftig im Halbstunden-Takt fahren soll. So wird sie noch attraktiver für Pendler in  beide Richtungen. Außerdem soll es barrierefreie Zugänge in die Züge geben. Die Finanzierung für alle Baumaßnahmen steht, fast 80  % der benötigten  Mittel kommen vom Zweckverband Nahverkehr.

 

Der  Rest  ist von  der  Stadt  Bielefeld aufzubringen. Es könnte also längst losgehen... Wenn da nicht die DB Netz AG wäre. Diese ist seit langem dabei die Sennebahnlinie zwischen Bielefeld und Paderborn zu modernisieren. Hierbei gibt es leider immer wieder Verzögerungen. Bereits zugesagte  Fertigstellungstermine, z.B. für  Dezember 2013, wurden nicht  eingehalten. Die  Stadt  und  die Nordwestbahn (als Nutzer  der Strecke) haben sich auf die Einhaltung der Termine verlassen und wurden mehrfach vertröstet.

 

MoBiel hatte den Busfahrplan bereits auf den neuen Bahntakt umgestellt und kann ihn nun leider nicht umsetzen. Der Sennestädter SPD-Fraktions-Vorsitzende, Markus Müller, hat im Berliner Büro der  Bundestagsabgeordneten Christina Kampmann ebenfalls dieses Thema angesprochen  und  um  Unterstützung gebeten. Diese wurde umgehend zugesagt, und Christina Kampmann hat sofort bei der Bahn AG nach dem aktuellen  Stand gefragt.  Das erhöht mit Sicherheit auch noch einmal den Druck auf den  Vorgang. 

 

Nachdem der Vorstandschef der Deutschen Bahn AG, Herr Dr. Rüdiger Grube, bei einem Besuch in OWL, auf die Misere angesprochen wurde, musste er kleinlaut zugeben, dass es Versäumnisse  gibt und hat den Vorgang zur Chefsache erklärt. Seitdem kommt tatsächlich etwas Bewegung in den Vorgang, es hat sogar schon personelle Konsequenzen gegeben. Es gibt nun eine Zusage, dass der Ausbau  der Sennebahn im Juni 2015 abgeschlossen ist. Es bleibt zu beobachten, ob dieses Datum eingehalten wird. Für den öffentlichen Personennahverkehr, insbesondere in  Sennestadt,  wäre  das  ein  großer Schritt. Man ist in ca. 18 Minuten mitten in Bielefeld. Eine schnellere Anbindung an den Hauptbahnhof und die Bielefelder Innenstadt gibt es nicht.

 

 

aus: ORTSGESP(D)RÄCH - Zeitung für Sennestadt des SPD-Ortsvereins - Nr. 126 / November 2014

 

P.S.: Der "Bahnhof Kracks" spielt auch schon eine "Rolle" im "Euthanasie"-Opferbiographie-Bericht meiner Tante Erna Kronshage ...  - und oben rechts auf dem abgebildeten Plan finden Sie das Geburtshaus derselben - den sogenannten "Mühlenkamp"...

Wir warten auf ca. 2030: Dann steht an einer durchgehenden Stadtbahn der Linie 1 vielleicht als Endziel: SENNESTADT - wer weiß ... ???

Rund 65 Millionen Euro würde die Verlängerung der Linie 1 der Bielefelder Stadtbahn von Senne, Wendeschleife nach Sennestadt zur Endstation Württemberger Allee kosten. Dieser Abschnitt könnte spätestens 2030 fertiggestellt sein. Bild: NW