Typische Sennelandschaft am Teutoburger Wald - Ölbild, 21 x 11 cm, um 1924, von Kurt Pfenningschmidt *1903, Familien-Kunstmanufaktur Bad Salzuflen - dieses Bild ist mit einem zarten "Sfumato"-Schleier versehen, der "Dunst" bzw. "Nebel" anzeigen soll
HÖVELHOF: DIE SCHÄFERMEISTER RENATE REGIER UND MARKUS LAABS ZWISCHEN IHREN HEIDSCHNUCKEN. | Fotokunst: 70 Jahre NRW: © HORST WACKERBARTH>>>> click here -

Die SENNE - meine Heimat

Stich von A.C. Fleischmann nach einer Zeichnung von J.G. Rudolphi, aus Fürstenbergs "Monumenta Paderbornensia" 1683 - Text im Spruchband: Niendorf (bei Hövelhof) - Die wüste Sende - ehemals Sinedi
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Die Senne – Einst war sie „wüstes Unland“, heute gilt sie vielen als Naturparadies von einzigartiger Schönheit. Die Bewertung dieser ungewöhnlichen Rand- und Grenzlandschaft am Rande des Teutoburger Waldes war stets extrem: ob als monotone Ödnis im Auge früher Reisender, als Armenhaus Westfalens, als unrentable Restfläche für Sondernutzungen, als romantische Erlebniswelt der Wandervogelbewegung des frühen 20. Jahrhunderts oder als umweltpoltischer Zankapfel der gegenwartsnahen Naturschutzbewegung. Zwischen Ablehnung und Verherrlichung – Dieses Buch zeichnet die Geschichte der Wahrnehnung dieser „eigen-artigen“ Landschaft nach.

 

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Roland Siekmann , Ulrich Mai 

 

Eigenartige Senne: Zur Kulturgeschichte der Wahrnehmung einer peripheren Landschaft 

 

Landesverband Lippe; 1. Auflage (Februar 2004), 504 S.

Hinweisschild am Rand der A 33
Sonnenaufgang über der Senne - im Zen-Stil ...
Lageplan zum Gebiet der Senne - Infos insgesamt: auf das Bild clicken ...

Die Senne 

 

ist eine Landschaft in der Region Ostwestfalen-Lippe des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Sie liegt am Westhang des Teutoburger Waldes zwischen dem Oberzentrum Bielefeld im Norden, der Stadt Paderborn im Süden sowie Gütersloh und Detmold im Westen und Osten. Die Ems entspringt in der Senne und erreicht bei Emden die Nordsee.

 

In diesem Gebiet mit dem sandigen Boden befindet sich die bedeutendste zusammenhängende Heidelandschaft in Nordrhein-Westfalen. Teile dieser Kulturlandschaft sind große Flächen mit Magerrasen sowie naturnahe Gewässer und Moore. Die Landschaft verfügt über eine reichhaltige Flora und Fauna. Von den etwa 5000 vorkommenden Tier- und Pflanzenarten stehen 901 auf der roten Liste, wie zum Beispiel die Mondraute, der Wendehals und der Trauermantel.
116 km², und damit knapp die Hälfte der mit 250 km² angegebenen Gesamtfläche der Senne, sind Teil des Truppenübungsplatzes Senne, der vor allem von den britischen Streitkräften genutzt wird. Bedingt durch den bevorstehenden Abzug der britischen Truppen sind über die Zukunft dieser Landschaft Diskussionen im Gange. Hier und in den angrenzenden Bereichen des Teutoburger Waldes und des Eggegebirges ist eine Landschaft erhalten geblieben, die gleichermaßen für den Naturschutz, die Naherholung und die Wasserwirtschaft von großer Bedeutung ist.

 

Lage der Senne 

 

Die Senne liegt im südlichen Ostwestfalen-Lippe zwischen den beiden Städten Bielefeld im Nordwesten und Paderborn im Südosten. Sie befindet sich größtenteils im Kreis Lippe und zu kleineren Teilen in den Kreisen Gütersloh und Paderborn sowie der kreisfreien Stadt Bielefeld. Die Gemeinden mit Gebietsanteilen an der Senne sind im Uhrzeigersinn: Bielefeld (mit den Ortsteilen Brackwede, Senne und Sennestadt), Oerlinghausen (mit Lipperreihe), Schloß Holte-Stukenbrock, Augustdorf, Schlangen (mit Oesterholz-Haustenbeck und Kohlstädt), Bad Lippspringe, Paderborn mit (Schloß Neuhaus/Sande und Sennelager) und Hövelhof.

 

Die Sennelandschaft bildet ein zusammenhängendes, rund 250 km² großes Gebiet von rund 40 km Länge und maximal 15 km Breite. Im Südosten ist die Senne am breitesten, nach Nordwesten wird sie schmaler, bis sie den Teutoburger Wald nur noch mit einem zungenförmigen Streifen begleitet. Große Bereiche sind weder besiedelt noch von verkehrsreichen Straßen durchschnitten. Rund 116 km² werden vom Truppenübungsplatz Senne eingenommen.

 

Naturräumlich gehört die Senne zum Ostmünsterland innerhalb der Westfälischen Tieflandsbucht. Im Norden befinden sich der Bielefelder Osning und der Lippische Wald als Teile des Teutoburger Waldes, im Osten das Eggegebirge. Im Süden schließt sich die Paderborner Hochfläche an, im Westen der Delbrücker Rücken.

 

Topografie 

 

Die weite Sandebene der Senne steigt allmählich zum im Nordosten angrenzenden Teutoburger Wald an und ist in vier Teilräume gegliedert. Die Obere Senne ist ein auf durchschnittlich 200 m Höhe (NHN) direkt am Fuß des Teutoburger Waldes liegender Streifen mit maximal 5 km Breite. Dies ist die Zone der Trockentäler, Sanddünen gibt es dort nicht. Unterhalb von 150–160 m Höhe (NHN) liegt die Mittlere Senne mit teilweise tief eingeschnittenen und schluchtenartigen Tälern.

 

Das sanft in Richtung Südwesten abfallende Gelände ist zum Teil mit Dünen besetzt, in deren Ausblasungsmulden sich Heidemoore und Stillgewässer befinden. In dieser Zone entspringen die Sennebäche, darunter die Ems. Weiter südlich bei Hövelhof auf rund 120 m Höhe (NHN) liegt die Untere Senne. Die Bäche führen reichlich sandige Sedimente mit, die in der Unteren Senne bei abnehmendem Bachgefälle in bis zu zwei Meter hohen Bachbetten abgelagert wurden, so dass beispielsweise der Furlbach stellenweise höher als die Umgebung verläuft. Der vierte Teilraum umfasst die zwischen Bielefeld und Oerlinghausen liegende Drumlin-Senne, deren Landschaft durch Moränen geprägt wird.

 

Die Gebiete der Senne werden noch in weitere Teilgebiete unterteilt. Dazu gehören zum Beispiel Kammersenne, Haustenbecker Senne, Hövelsenne, Stapelager Senne und Wistinghauser Senne. (aus WIKIPEDIA)

Weitere Beschreibung des Naturraums Senne: Auf das Kartenbild clicken

Wer sich mit der Natur und Besiedlung des Senneraums beschäftigen möchte:

Natur und Besiedlung der Senne
Von Peter Schneider

Link: https://www.lwl.org/geko-download/Spieker/Spieker_03/03_Senne.pdf

 

Meine Oma wohnte ganz in der Nähe des kleinen Bahnhofes "Kracks" - [heute "Sennestadt"], an dem regelmäßig die Senne-Bahn hält, die zwischen Bielefeld und Paderborn pendelt. 

 

Und wenn ich in dem alten Fachwerkgehöft von Oma übers Wochenende zu Besuch war - und die Dampflok nach dem Halt im Bahnhof wieder anfuhr und sich allmählich wieder in Bewegung setzte mit ihrem stampfend-dampfenden Gekeuche, sagte mir meine Oma im Takt der Anfahrtgeräusche folgende Zeilen auf:


Die -al-te Lok - sie -kann- nicht mehr ...Es -geht- so schwer - es -geht- so schwer...

 

[und wenn sie dann allmählich schneller wurde ...]

 

Jetzt gehts schon bes-ser - geht schon bes-ser - Geht schon besser ...

 

[und dann - wenn die Lok mit den Waggons  allmählich auf Touren kam - und sich dann verabschiedete ...]

 

Jetzt gehts besser - Dankeschön - Dankeschön - Dankeschön

 

Ich habe diesen Sprechmelodie-Rhythmus-Reim hier erwähnt, weil ich ihn bei Google im www. nicht finden konnte - und weil er sonst - nach dem Aussterben der Dampflok - vollends in Vergessenheit geraten würde.

WDR-Umfrage: Die Senne auf Platz 8 der beliebtesten Landschaften in NRW

Ansichten aus der Senne - von damals bis heute

Sennelandschaft auf einer Ansichtskarte von 1912
"Senner Einsiedler in Kracks bei Bielefeld" - Ansichtskarte von ca.1912
"Gruss aus Kracks" - Senne II - heute Bielefeld-Sennestadt - Ansichtskarte von 1942
Typisches Sennemotiv aus dieser Gegend: "Quakernacks Hof" - gemalt von Erich Strüwe, 1949: Im Hintergrund der Teutoburger Wald
Weiter südostwärts findet man z.B. im Gebiet des geplanten Nationalparks Senne-Eggegebirge noch viel unberührte Senne-Natur - Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Senne.jpg

Ein Blick aus meinem Küchenfenster im 09. OG: Wo früher Fichten, Heide, Felder und Gehöfte waren, entstand hier seit den 60-er Jahren die SENNESTADT ...

Frühling | Sommer | Herbst | Winter

Geplanter Nationalpark SENNE-EGGEGEBIRGE

Flyer NATIONALPARK SENNE - www.padergruen.de - Auf Abb. clicken!
Flyer "Nationalpark als Chance" - von www.nationalpark-senne-eggegebirge.de - Auf Abb. clicken !
... auf das Logo clicken ...

Bitte clicken Sie auch folgenden Link: 

http://www.nationalpark-senne-eggegebirge.de/

Heidschnuckenherde in der Senne
Ausschnitt aus der NEUEN WESTFÄLISCHEN vom 10.06.2010: sozusagen die Rose "SiNEDi-DREAM"

Die "dunklen Seiten" der Senne: Militär & Gewaltherrschaft

Gefangenenlager STALAG 326 - Foto von http://www.sozialwerk-stukenbrock.de/
Im Antiquariat: Uwe Piesczek (Hrsg.): Truppenübungsplatz Senne, Zeitzeuge einer hundertjährigen Militärgeschichte

 

Die Senne im Dreieck zwischen Paderborn, Detmold und Bielefeld war im Laufe ihrer Geschichte im letzten Jahrhundert auch immer wieder Übungsfeld für militärische Zwecke - durch den bekannten Truppenübungsplatz Senne, den heute die britische Rheinarmee nutzt, und dem Standort Augustdorf der Bundeswehr.

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Truppen%C3%BCbungsplatz_Senne

 

Diese militärische Nutzung verhinderte bisher die Gründung des Nationalparks in dem Umfang, wie er ursprünglich mal geplant war - und wie er vom Landtag in NRW einmütig beschlossen worden war.

In Planung ist deshalb nur noch eine "Light"-Lösung im Bereich der Lippischen Senne und dem Eggegebirge.

 

Auch das große Gefangenenlager STALAG 326 (VI/K) mit vornehmlich sowjetischen Kriegsgefangenen bei Hövelhof wurde mit seinen wohl über 60.000 von den NS-Machthabern in Kauf genommenen Hunger- und Erschöpfungs-Opfern durch die alljährliche Gedenkveranstaltung "Blumen für Stukenbrock" international bekannt.

 

Links:

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Truppen%C3%BCbungsplatz_Senne

http://www.blumen-fuer-stukenbrock.de/

http://www.stalag326.de/

http://erna-k-gedenkblog.blogspot.com

http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/bielefeld-sennestadt_wk1_nrw.htm

Stukenbrock - STALAG 326 VI K: Befreiung vor 70 Jahren | Nur wenige erlebten die Befreiung

Historischer Moment: Befreiung des Stalags 326 durch US-Truppen Anfang April 1945. FOTO: Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne | NW

 

Die sterblichen Überreste von geschätzt 65.000 Menschen ruhen auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 in Schloß Holte-Stukenbrock.


Es sind Zahlen, die sprachlos machen. Die sterblichen Überreste von geschätzt 65.000 Menschen ruhen auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 in Schloß Holte-Stukenbrock. Doch genau weiß das niemand. Massengräber erinnern an die zumeist russischen Opfer.

"Wir dürfen diese Toten nicht vergessen", sagt Oliver Nickel, Geschäftsführer des Fördervereins, der Träger der Dokumentationsstätte ist, die an die Geschichte des Stalags 326 und die vielen Menschen erinnert, die dort gelitten haben und gestorben sind. Der Förderverein wurde 1993 gegründet, die Gedenkstätte am 22. Juni 1997 eröffnet.

 

Es sei wichtig, die Erinnerung an die Kriegsereignisse wachzuhalten, die sich mit diesem Ort bis heute verbinden, betont Nickel. Diese Ereignisse sind heute bekannt: Das Lager wurde im Frühjahr 1941 eingerichtet, vorwiegend für russische Kriegsgefangene. Aber auch Menschen aus anderen Ländern wurden hier unter dem Oberkommando der Wehrmacht interniert.


Die Lebensumstände der Menschen dort waren zumeist unerträglich. Viele lebten anfangs in selbstgebauten Erdhöhlen und Laubhütten, es gab kaum etwas zu essen. Krankheiten breiteten sich aus, an denen Tausende starben. Das Lager wurde am 2. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit. Bis zu diesem Zeitpunkt waren dort nachweislich rund 300.000 russische Kriegsgefangene untergebracht.

 

Die Dokumentationsstätte auf dem Gelände hat Werner Busch gegründet. Der heute 89-Jährige hatte dabei aber mit einigem Widerstand im konservativen Schloß Holte-Stukenbrock zu kämpfen. "Es gab palettenweise Bücher, und keiner interessierte sich dafür", sagt Busch im Rückblick. Deshalb ging er Anfang der 90er Jahre gleich ganz nach oben - zu Landesvater Johannes Rau. Der aber auch abwinkte. Zu teuer.


Eine Gedenkstätte im ehemaligen Arrestgebäude des Stalags konnte im Juni 1996 nach einem jahrelangen Kleinkrieg Buschs mit der Denkmalschutzbehörde doch eingeweiht werden. Die grüne Regierungspräsidentin Christa Vennegerts hatte den Baubeginn verfügt.

 

Fördergelder beantragten Busch und seine Mitstreiter mit einem Trick. Voraussetzung für den benötigten Zuschuss vom Land war, dass die Gemeinde die Trägerschaft der Stätte übernahm. Das tat sie. "Für fünf Minuten", erzählt Busch. Dann übernahm sie der Förderverein. Viele ehrenamtliche Mitarbeiter sorgten danach dafür, dass bis heute rund 10.000 der Menschen, die dort in Massengräbern bestattet worden sind, identifiziert werden konnten. Am Mittwoch wird der Bundespräsident eine Namensstele auf dem Ehrenfriedhof einweihen, auf der diese Namen zu lesen sind, damit sie nicht in Vergessenheit geraten.

Der Ehrenfriedhof wurde am 2. Mai 1945 eingeweiht. Er besteht im Wesentlichen aus 36 Gedenksteinen und einer gleichen Zahl von Massengräberreihen sowie einem Obelisken. Die Neugestaltung des Ehrenfriedhofs erfolgte von 1960 bis 1964. Lange Jahre gab es eine Diskussion um die Frage, ob der Obelisk wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden sollte. Kriegsgefangene hatten im Mai 1945 auf der Spitze die Flagge der Sowjetunion angebracht. Die NRW-Landesregierung entschied im März 2011, dass der Obelisk wieder in seinen Ursprungszustand zurückversetzt werden muss.

 

Lange Zeit fühlten sich überwiegend Bürger des politisch linken Spektrums dazu aufgerufen, das Andenken an die im Stalag 326 gestorbenen russischen Kriegsgefangenen zu bewahren. Doch diese Epoche gehört längst der Vergangenheit an. Man habe viel Öffentlichkeitsarbeit betrieben, sagt Oliver Nickel. "Alle Parteien haben erkannt, wie wichtig das Gedenken ist", fügt er hinzu. Auch die aktuelle Krise in der Ukraine habe bei vielen Menschen die Überzeugung verstärkt: "Wir wollen keinen Krieg mehr." Man dürfe die Taten, die an diesem Ort geschehen seien, nicht vergessen, appelliert Nickel.

 

modifizierter Text aus: © 2015 Neue Westfälische, Dienstag 05. Mai 2015
- VON SABINE KUBENDORFF UND MATTHIAS BUNGEROTH

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Hier eine Passage dazu aus dem ERNA-K-GEDENKBLOG: Abschnitt 8 - Bomben auf Senne II ...

 

Ab dem 10.07.1941 bis zum Kriegsende wurde das Lager STALAG 326 (VI K) Senne in Schloß Holte-Stukenbrock mit vielen Tausend russischen Kriegsgefangenen belegt, die auch teilweise in der Landwirtschaft verstreut in der Senne und wahrscheinlich in der nahegelegenen Eisen- und Stahlgießerei Tweer am Krackser Bahnhof eingesetzt wurden. Fast täglich fuhren also Gefangenentransporte in Güterwagen der Reichsbahn auf den Gleisen des Bahnhofs Kracks in unmittelbarer Sichtweise am Mühlenkamp (dem Wohnsitz Erna Kronshages) vorbei.  


Jedenfalls berichteten Zeitzeugen aus Senne II immer wieder von den "Marschkolonnen" der Gefangenen, von einzelnen Leichen, die am Rand der Schienen abgelegt wurden auf der Strecke der Sennebahn bis Hövelhof - und von verzweifelten Lebensmittelerbettelungen dieser zerlumpt und ausgemergelt daherkommenden jungen Männer, die zunächst dort im Lager in Erdhöhlen "hausen" mussten unter den unmöglichsten hygienischen Bedingungen die Seuchen und Verlausungen auslösten - fern jeder Bestimmungen der "Genfer Kriegskonvention".  


Ca. 65.000 tote Kriegsgefangene wurden von 1941-1945 auf dem Lagerfriedhof in Stukenbrock beigesetzt (Stichwort: "Blumen für Stukenbrock")...
"Für die Bevölkerung der Senne gehörten die Kriegsgefangenenzüge sehr bald zum Alltag und wurden kaum mehr registriert, da sie mit ihren Sorgen genug zu schaffen hatten. In der Erinnerung haftengeblieben sind nur noch die über das 'normale' Elend hinausgehenden Transporte der Jahre 1941/42 ..." (aus: Karl Hüser/Reinhard Otto | Das Stammlager 326 (VI K) Senne 1941-1945, Verlag für Regionalgeschichte Bielefeld, 1992 - S. 48). 


Der Anblick dieser gezeichneten Opfer hat in Erna Kronshage - die ja direkt am Bahnhof Kracks (heute BI-Sennestadt) wohnte, wo alle Transportzüge nach Stukenbrock durchfuhren - bestimmt nachgewirkt und ihr die Schrecken des Krieges zusätzlich traumatisch vor Augen geführt. Erna Kronshage wurde dann im Februar 1944 ein Opfer der NS-"Euthanasie" (siehe Link Gedenkblog...)

 

Hier zeitgenössisches Bildmaterial von der Befreiung des STALAG 326 - um einen Eindruck zu vermitteln von den Zuständen in diesem Lager und seinen Insassen ...Neue Überschrift >>

Die Senne & Afghanistan

Bielefelder Tageblatt (SB), Samstag 02. Oktober 2010 

Moscheen im Sennesand
Britische Streitkräfte haben drei Übungsdörfer für Afghanistan-Einsatz gebaut

VON RALPH MEYER


Hövelhof/Schlangen. Nicht weit von der Stelle, wo ein Gedenkstein und eine Kirchenruine an das verlassene Dorf Hövelsenne erinnern, grüßt in der Senne die blau-gelbe Kuppel einer Moschee, daneben überragt die Spitze eines Minaretts eine übermannshohe lehmfarbene Mauer.


Im Sennesand auf dem Truppenübungsplatz sind in den vergangenen Monaten für rund 1,5 Millionen Euro drei sogenannte Kampf- und Übungshelfer entstanden, in denen die Soldaten auf Kampfeinsätze in Afghanistan vorbereitet werden.


Aus der Nähe betrachtet wirken die nachgebildeten Lehmwände wie aufgeschichtete große Legosteine. Oberstleutnant David Holt, Kommandeur aller britisch verwalteten Truppenübungsplätze in Deutschland, bestätigt diesen Eindruck. In den vergangenen Wochen wurden einfach Großblocksteine aus Beton übereinandergeschichtet.


Fundamente sucht man vergebens. Als Gründung für die Steinmauern dienen einfache Schotterschüttungen. „Das sieht durchaus umweltfreundlich aus“, betont der Hövelhofer Bürgermeister Michael Berens, „und wird sich auch rückstandslos wieder abbauen lassen.“


Die Kuppelbauten der Moscheegebäude in Schlangen und Hövelsenne erinnern ein wenig an Gebäude im nahen Safaripark. „Die Moschee wird nicht erstürmt, vielmehr sollen die Soldaten hier den Umgang mit anderen Kulturen lernen“, berichtet Oberstleutnant Karl Mace, Stabsoffizier der britischen Panzerdivision in Herford.


Erste Kritik an den Moscheebauten wurde bereits in Paderborn laut. Carsten Schmitt sprach angesichts der Debatte um einen Moscheebau in Bad Lippspringe von „respektlosen Moscheeimitationen in Kampfdörfern“, die einzig als authentische Kulisse für den Häuserkampf dienten. Im Inneren erinnern die Übungsdörfer an afghanische Siedlungen. Rohe Holztische und gusseiserne Grills vor leeren Fertiggaragen sollen Marktszenen darstellen. Übereinandergestapelte Überseecontainer stellen eine Polizeistation dar. Geübt werden hier Routinepatrouillen, Entdeckung und Entschärfung von Sprengfallen sowie gelegentliche Angriffe auf Dörfer, in denen sich Terroristen verschanzt haben.


In den Übungsdörfern werden die britischen Soldaten sieben bis zehn Monate vor ihrem Einsatz ausgebildet. Im Mittelpunkt steht das Training in kleinen Trupps und Gruppen. „Dadurch sollen die Soldaten ein erstes Gefühl für das fremde Land bekommen“, sagt Holt. Anschließend geht es zur Ausbildung in gemischten Verbänden. Das findet in England statt, in den Salisbury Plains, in Cumbria oder in East Anglia. Dabei kommen auch Jets und Hubschrauber zum Einsatz.


Für die Senneanrainer ist die Lärmbelastung ein wichtiger Faktor. Streitkräftesprecher betonten, dass in den Dörfern nur mit Übungsmunition trainiert werde, die deutlich leiser sei als die normale Munition.


In einem Gefechtsmonitoring soll demnächst die Lärmbelastung untersucht werden. Später soll sichergestellt werden, dass Lärmimmissionen gleichmäßig verteilt werden und nicht einige Anwohner das Nachsehen haben.


Basis im Depot

Neben den drei Übungsdörfern sind auch vorgeschobene Basen entstanden. Eine davon ist in einem ehemaligen Munitionsdepot bei Staumühle untergebracht. Mit Splitt gefüllte „Big Bags“ simulieren Wände einer provisorischen Stellung; ergänzt wird der Eindruck durch Wachtürme. Da der Boden dort ohnehin verunreinigt ist, sind keine weiteren Umweltschäden zu erwarten. my


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