Schon 1948: Eine Gedenktafel  für die über 3.500 NS-"Euthanasie"-Opfer in der NS-Mordanstalt TIEGENHOF/GNESEN DZIEKANKA/GNIEZNO-PL

ERNA KRONSHAGE wurde hier am 20.04.1944 ermordet



Deutscher Text der Gedenktafel in Dziekanka - Gniezno:

 

Zu Ehren der Gefallenen und ermordeten 
Mitarbeiter und Patienten von der Abteilung 
für Psychiatrie - Dziekanka - 
in den Jahren der Besatzung, 1939-1945 - 
Mitarbeiter der Abteilung, August 1948
 

Früher: Ein Grab und das Mahnmal auf dem Alten Friedhof Bielefeld-Sennestadt ...

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Diese Grabstätte Kronshage (Bezeichnung "A 3" auf dem Alten Friedhof Sennestadt) ist inzwischen eingeebnet worden, der Stein wurde entfernt. Jetzt "wächst Gras über diese Sache" - im wahrsten Sinne des Wortes: der Alte Friedhof wird vorzugsweise in einen Grünzug umgestaltet und nicht mehr belegt. Im Hintergrund dieses Fotos aus 2011 das "Ehrenmal" - das auch inzwischen "in die Jahre" gekommen war - und deshalb abgebaut wurde - die Inschriften und Opfer-Namenstafeln wurden an einem anderen Kreuz auf dem Friedhof wiederverwendet ... 2016 gibt es an der hier abgebildeten Stelle also weder Stein noch Denkmal - was in einem solchen Moment auch wie ein Aspekt zur Gedenk- und Erinnerungskultur in diesem Stadtbezirk wirkt ...

 

Über die Gestaltung des "Alten Friedhofes" in Sennestadt aber macht man sich erneut in Gremien und Arbeitsgruppen Gedanken. Nachdem die Kronshagesche Grabstelle 2013 aufgelöst und "fachgerecht" nach den schriftlich ausgehändigten Bestimmungen geräumt und eingeebnet wurde, gestattet man nach entsprechendem Beschluss der Stadtbezirksvertretung allerdings bereits seit 2012 wieder, Grabmalsteine auch stehen zu lassen, die einen irgendwie "historischen Wert" an sich haben ... - und man bietet wohl hier und da Patenschaften für einzelne Grabstätten an ... 

 

Als die Nutzungszeit für das Familiengrab Kronshage also zum 01.05.2013 abgelaufen war, wurden diese inzwischen getroffenen entsprechenden Beschlüsse nicht frist-, sach- und fachgerecht im Rahmen der Friedhofsverwaltung in Sennestadt weitergegeben - so dass es zur beschriebenen Beseitigung auch des Familiengrabsteins kam ....

 

Doch da greift jetzt anscheinend sowieso eine neue Form der Gedenk- und Erinnerungskultur auch in neuen und anderen gesamthistorisch-kulturellen Zusammenhängen ... Schade - für die Grabstätte der Familie Adolf Kronshage und somit für die letzte Ruhestätte des Leichnams von Erna Kronshage kommt dieses neue Ansinnen einfach zu spät: der Stein ist unwiederbringlich geschreddert - und "es ist Gras über die Sache gewachsen" ... - ... "knapp vorbei ist auch daneben ..."

 

Mal sehen, ob eines Tages auf diesem Friedhofs- bzw. Grünareal wohl wieder ein Zeichen des Gedenkens und der Mahnung an das Opferschicksal Erna Kronshages erinnert ...

 

Zu entsprechenden Presse-Infos und Leserbriefen etc. dazu:

hier clicken 

 

 

Fast die gleiche Fotografier-Stelle wie oben - heutzutage: kein Familiengrabstein mehr - kein Mahnmal im Hintergrund: was dann auch wie ein Aspekt zur Gedenkkultur in diesem Stadtbezirk und auf diesem Friedhof daherkommt ....

"Zum Gedenken an die Opfer ... der Gewaltherrschaft"

Diese Inschrift vom alten "Ehrenmal" wurde nun neu an ein Kreuz auf der Mitte des Friedhofes platziert ....
Video-Still aus dem Beitrag von der WDR-Lokalzeit OWL v. 09.10.2014: Blumen am eingeebneten Familiengrab KRONSHAGE - der letzten Ruhestätte Ernas ... (Video: auf das Bild clicken ...- und die Lautstärke einstellen ...)

Virtuelles Online-Triptychon zum Gedenken an das 484-Tage-Martyriums Erna Kronshages

Virtuelles Online-Triptychon zum Gedenken an das 484-Tage-Martyrium Erna Kronshages - click here

Heute: Der Stolperstein zum Gedenken an Erna Kronshage

Am 06.12.2012 wurde in BI-Sennestadt ein sogenannter "Stolperstein" zum Gedenken an Erna Kronshage - unweit ihrer letzten freigewählten Wohnung - vom Künstler Gunter Demnig gelegt. | Zur Weiterleitung auf Video und Infos dazu bitte auf das Bild clicken ....

Der Stolperstein ist seit Februar 2016 bis auf weiteres "in Obhut" von "stolpersteine-bielefeld.de" - wegen bevorstehender Bauarbeiten in diesem Kreuzungsbereich ... Der Baubeginn dort ist jedoch ungewiss ...

"erfasst, verfolgt, vernichtet." | DGPPN-Wanderausstellung

Video von der Ausstellungseröffnung am 27.01.2014 in Berlin

Der neue zentrale Gedenk- und Informationsort für die Opfer der NS-»Euthanasie«-Morde in Berlin - 02.09.2014

Der neue zentrale Gedenk- und Informationsort für die Opfer der NS-»Euthanasie«-Morde in Berlin, Tiergartenstraße 4

Genau 75 Jahre nach Hitlers "Euthanasie"-Befehl mahnt nun an der Tiergartenstraße in Berlin - wo sich die NS-Vernichtungszentrale der Tarn-Organisation "Aktion T4" befand - eine 24 m lange blaue transparente aber auch spiegelnde Wand mit einem Dokumentations- und Informationspult die oft brutalen Schicksale all der Opfer willkürlicher Ausgrenzung, "Ausmerze" und Gewalt an - gestern und heute ... | Foto: DPA -

 

ERNA KRONSHAGE - nun einer von 1.017 leuchtenden NS-"Euthanasie"-Opfernamen im LWL Klinikum Gütersloh

Im "Raum der Namen" in der düsteren Klinikkapelle in der LWL-Klinik Gütersloh werden aus der Zahl der 1.017 Opfer wieder Individuen.
 
Jedes dieser 1.017 "Euthanasie"-Opfer ist auf er- und be-leuchtenden, die Wände des inneren Kirchenschiffs umlaufenden Paneelen verzeichnet. 

 

Die Nennung der Namen - darunter auch ERNA KRONSHAGE - machen uns klar, dass wir eben nicht vor einer anonymen, unvorstellbar großen Menge stehen, sondern dass es Menschen aus unserer unmittelbaren Umgebung waren, die vernichtet wurden. Dieses Bewusstsein können nur lokale Orte des Gedenkens schaffen. 

 

1.017 Patienten allein aus Gütersloh wurden Opfer dieser sogenannten "Euthanasie"-Velegungen. Ein Großteil wurde in der Gaskammer von Hadamar, der zentralen Tötungsanstalt für die westfälischen Patienten, oder zum Beispiel in den Tötungsanstalten im besetzten Polen in Meseritz-Obrawalde oder Tiegenhof/Gnesen ermordet. Diese Menschen starben gezielt und planvoll durch Überdosen an Medikamenten, durch Hunger, Kälte und katastrophale hygienische Verhältnisse in den Durchgangs- und Zielanstalten. 

 

Neben diesem beeindruckenden Leucht- und Namensband - graphisch gestaltet vom Bielefelder Designer Mario Haase - komplettieren ein "Rundgang zur Klinikgeschichte" auf dem Klinikfriedhof und ein "Stein des Gedenkens" mit der Inschrift auf einer Bodenplatte diese Verortungen des "Erinnerns und Gedenkens" - nun endlich - nach 70 Jahren des würdelosen vornehmlichen Verschweigens ...

Gedenken - z.B. in der Vernichtungsanstalt Mainkofen/Niederbayern

Die Täter-Seite: Datenbank-Projekt zeigt, dass Täter und Opfer manchmal Nachbarn waren ...

Quasi als "Komplementär"-Projekt zu den "Stolpersteinen" und Erinnerungseinrichtungen hat jetzt Hamburg eine Datenbank angelegt für die NS-Täter und NS-Karrieristen, die zeigt, dass manchmal Täter und Opfer in einer Straße als Nachbarn oder gar in einem Haus gelebt haben ... -

 

Hoffentlich folgen bald viele Stadtarchive diesem Beispiel - und auch Datenbanken für die Opfer sind ja noch rar gesät - und äußerst lückenhaft ...

 

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Datenbank-Projekt zeigt NS-Täter und Profiteure
Kulturjournal - Autorin: Yasemin Ergin


Wir kennen die Namen der großen NS-Verbrecher. Aber welche Profiteure gab es sonst noch im Dritten Reich? Wer bereicherte sich, wer denunzierte, wer machte Karriere auf Kosten anderer? In der bundesweit einzigartige Datenbank "Die Dabeigewesenen" kann man nun die Täter und Mitläufer im nationalsozialistischen Hamburg finden.

Die Datenbank, initiiert von der Hamburger Landeszentrale für politische Bildung unter der Leitung der Historikerin Rita Bake, umfasst über 500 Profile, weitere sollen folgen. Außerdem will die Datenbank konkrete Orte des NS-Geschehens sichtbar machen - gegen das Vergessen. Schon jetzt zeigt sich, wie wichtig das ist: Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende gibt es beispielsweise noch immer Straßen in Hamburg, die nach NS-Profiteuren benannt wurden.

 

Antisemiten als Namensgeber


Zum Beispiel die Georg-Bonne-Straße. Georg Bonne war ein Arzt aus Nienstedten, der sich um die Hygiene der armen Bevölkerung gekümmert hat, unter anderem, dass sie guten Wohnraum bekamen - und gutes Trinkwasser. "Gleichzeitig war er seit frühester Jugend ein sehr überzeugter Antisemit", erzählt Rita Bake. "Er hat 1942 ein Pamphlet geschrieben, das 'Der ewige Jude' heißt und ganz furchtbar ist."

 

Weitere Beispiele: Der Borchlingweg ist nach einem Professor benannt, der sich früh der NS-Ideologie verschrieb. Oder der Högerdamm. Namensgeber ist Fritz Höger. Der Hamburger Architekt hat unter anderem das Hamburger Chilehaus geschaffen, war aber auch NS-Profiteur und ein großer Hitler-Fan.

 

Zwei Jahre haben Rita Bake und ihre Mitarbeiter geforscht, um "Die Dabeigewesenen" aufzubauen. Zu Fritz Höger findet man einiges an Material, das nicht zum Bild des gefeierten Star-Architekten passt. "Er ist sehr früh in die NSDAP eingetreten, im Grunde genommen kann man ihn als Karrieristen bezeichnen", so die Historikerin. "Er hat auch nette Briefe an Herrn Hitler geschrieben. Und noch nach 1945 hat er ein Traktat geschrieben, in dem er schreibt: 'Genauso ist auch das Judentum ein solcher Schmarotzer in der gesamten Menschheit, die von ihm befallen wird ...'"

 

Die Datenbank richtet den Blick nicht nur auf die offensichtlichen Täter, sondern auf all jene, die das System unterstützten. Nicht nur Personen sind erfasst,sondern auch Orte und Ereignisse. Mit "Die Dabeigewesenen" kann also jeder die Geschichte entdecken - die der Opfer UND die der Täter - ganz einfach. ...

 

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HIER GEHT ES ZUR DATENBANK

 

Die Dabeigewesenen  (hier clicken)
Das bundesweit einzigartige Datenbank-Projekt "Die Dabeigewesenen" will zeigen, wer die Täter und Karrieristen im nationalsozialistischen Hamburg waren. 


http://www.hamburg.de/ns-dabeigewesene